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Naturschutz nach dem UN-Report : Wer stoppt den Ökozid?

Weit mehr als ein Drittel der Amphibien ist vom Aussterben bedroht. Bild: Picture-Alliance

Das Massensterben der Arten beschleunigt sich weiter. Ein Systemversagen? Die Forscher wählen drastische Worte: Noch gibt es Lösungen, aber es geht um das, was uns lieb und teuer ist.

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          Das nennt man wohl falsche Bescheidenheit. Nichts, was in dem Globalen Zustandsbericht zur Biodiversität steht, sei wirklich neu, sagte Josef Settele, Biologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle und einer der Leitautoren der Studie des Weltbiodiversitätsrates IPBES, die seit Montag weltweit für Schlagzeilen sorgt. Das stimmt, und es stimmt nicht. Die 145 Wissenschaftler, die den Bericht kooperativ geschrieben haben, sind für ihre Diagnose zur Lage der Natur nicht selbst zu Expeditionen ausgeschwärmt, um neue Daten zu erheben. Sie haben stattdessen Tausende Studien ausgewertet, für die andere Forscher die Welt durchsucht und dabei auch Unterstützung von hochauflösenden Satellitenkameras bekommen haben.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch das Gesamtbild, das nun der Weltöffentlichkeit vorgelegt wurde, ist neu. Und niederschmetternd. „Es kann keiner mehr sagen: Wir haben es nicht gewusst“, sagte Settele. Eine Million Arten von insgesamt acht bis zehn Millionen sind demnach in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Die Hälfte der Korallenriffe ist bereits verschwunden und von dem, was übrig ist, werden 99 Prozent verschwinden, wenn die Erderwärmung nicht unter zwei Grad Celsius gehalten wird. 85 Prozent der früheren Feuchtgebiete – weg. Millionen Hektar Regenwald werden jedes Jahr abgeholzt oder abgebrannt. Da wirken die 30.000 Hektar neuer Schutzgebiete in unseren Breiten, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Montag als Reaktion auf die Studie angekündigt hat, wie noch weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

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