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Naturkatastrophe auf Sulawesi : Erdbeben brach Tempolimit

  • -Aktualisiert am

Wie stark der Tsunami war, den das Beben auslöste, zeigt diese Aufnahme vom 1. Oktober 2018. Bild: Reuters

Warum das Erdbeben, das im September 2018 auf der indonesischen Insel Sulawesi wütete und einen Tsunami auslöste, so verheerend war, ist nun geklärt. Das Gestein brach schneller auf, als man es bislang für möglich hielt.

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          Erdbeben sind nicht zuletzt so gefährlich, weil sie sich enorm schnell abspielen. So rasen seismische Wellen mit Geschwindigkeiten von bis zu 20.000 Kilometern in der Stunde durch die Erde. Auch der eigentliche Bruch in einem Gestein breitet sich während eines Bebens mit Tausenden von Kilometern in der Stunde beispielsweise entlang einer Plattengrenze aus. Bisher hatten Geophysiker angenommen, dass dieser sogenannten Bruchgeschwindigkeit eine Obergrenze gesetzt ist. Zwei Forschergruppen haben nun herausgefunden, dass sich das verheerende Erdbeben auf der indonesischen Insel Sulawesi im vergangenen September jedoch viel schneller abspielte, als man es für theoretisch möglich hielt. Das Erdbeben breitete sich gleichsam mit geologischer Überschallgeschwindigkeit aus.

          Das Erdbeben mit der Magnitude von 7,5 ereignete sich entlang der Palu-Koro-Verwerfung. Entlang dieser Linie verschieben sich zwei Gesteinsblöcke horizontal gegeneinander. Bei dem Erdbeben brach diese Verwerfung auf einer Länge von etwa 180 Kilometern auf. Die Forschergruppe um Han Bao von der University of California in Los Angeles hat nun Messungen ausgewertet, die verschiedene Radarsatelliten vor und nach dem Beben von der Gegend um das Epizentrum aufgenommen haben. Danach hat das Erdbeben eine Bodenverschiebung entlang der Verwerfung um bis zu fünf Meter in horizontaler Richtung bewirkt. In vertikaler Richtung verschob sich der Boden um ganze zwei Meter.

          Die Geophysiker um Bao verglichen nun diese Berechnungen mit den Aufzeichnungen von Seismometern. Auf diese Weise konnten sie jene Geschwindigkeit berechnen, mit der sich der Erdbebenbruch tatsächlich ausbreitete. Wie die Forscher in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ berichten, kamen sie dabei zu einem überraschenden Ergebnis.

          Noch größeres Risiko für erdbebengefährdete Städte?

          Theoretisch hätte es länger als eine Minute dauern sollen, bis sich der Riss entlang der Verwerfung ausbreitete. Tatsächlich benötigte der Bruch dafür nur etwa 40 Sekunden, was einer Geschwindigkeit von rund 4,5 Kilometern pro Sekunde entspricht. Dieses Ergebnis haben die Forscher um Anne Socquet von der Universität Grenoble mit ihren Berechnungen bestätigen können.

          Ein derartig hohes Tempo bei der Bruchausbreitung war zwar schon vereinzelt in Laborversuchen gemessen worden, bisher gab es aber nur wenige Hinweise darauf, dass es in der Natur tatsächlich derart rasche Erdbebenbrüche gibt. Die schnelle Ausbreitung gibt nun eine Erklärung dafür, warum dieses Erdbeben rund um die indonesische Stadt Palu derart viele Schäden verursacht hat.

          Ein schnellerer Bruch führt nämlich zu erheblich höheren Beschleunigungen des Bodens, was wiederum zu höheren dynamischen Kräften führt, die zerstörerisch auf Bauwerke wirken können. Sollten sich diese Beobachtungen auch auf andere horizontale Erdbebenverwerfungen wie die Nordanatolische Linie in der Türkei oder die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien übertragen lassen, müssten die Risikoabschätzungen für Großstädte wie Istanbul, Los Angeles oder San Francisco völlig neu berechnet werden.

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