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Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

Die typische Landschaft des Teufelsmoor bei Worspwede bei Bremen. Bild: dpa

Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Obwohl Moorlandschaften nur etwa drei Prozent der Landfläche auf der Erde ausmachen, sind sie der bei weitem größte Speicher für Kohlenstoff an Land. Die in Mooren gebundene Menge an Kohlenstoff wird auf mindestens 550 Milliarden Tonnen (Gigatonnen) geschätzt, was die Speicherkapazität aller Wälder der Erde übertrifft. Gegenwärtig nehmen Moore zusätzlich pro Jahr etwa 0,4 Gigatonnen des Kohlenstoffs der Atmosphäre auf, was etwa fünf Prozent der jährlichen anthropogenen Emissionen entspricht. Moore sind deshalb ein wichtiges Element im globalen Kohlenstoffkreislauf. Zwei Forschergruppen haben nun unabhängig voneinander untersucht, wie sich die Moore in den vergangenen Jahrtausenden entwickelt haben, und kommen dabei zu überraschenden Ergebnissen.

          Ein wichtiger Parameter zur Charakterisierung von Mooren ist deren Wassergehalt, denn das Wasser ermöglicht die anaerobe Zersetzung pflanzlicher Überreste. Eine kontinuierliche Überwachung des Wasserspiegels gibt es aber nur bei wenigen Mooren, und das auch erst seit etwa fünfzig Jahren. Um den Wassergehalt der Moore in der Vergangenheit abschätzen zu können, untersuchten Forscher die Konzentration bestimmter Einzeller in älteren Torfschichten. Die Wissenschaftler um Graeme Swindles von der University of Leeds haben nun aus entsprechenden Analysen die Entwicklungsgeschichte von 31 Mooren in Großbritannien, Irland, Skandinavien und dem nördlichen Kontinentaleuropa während der vergangenen zweitausend Jahre rekonstruiert.

          Immer mehr Moore trocknen aus

          Wie Swindles und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ schreiben, scheint sich der Wassergehalt des größten Teils der untersuchten Moore allmählich zu verringern. Danach sind zwei Drittel der Moore seit 200 Jahren trockener, als sie es noch in den vergangenen 600 Jahren waren. Betrachtet man einen Zeitraum von zweitausend Jahren, sind es nur rund 24 Prozent der Moorgebiete, die trockener sind. Nach Ansicht der Forscher spiegeln sich in den Daten zum einen Klimaschwankungen, aber auch der wachsende Einfluss des Menschen auf die Moore. So sind 42 Prozent der Gebiete durch menschliche Aktivitäten geschädigt worden.

          Noch weiter zurück in die Vergangenheit gehen Jonathan Nichols und Dorothy Peteet von der Columbia University in New York bei ihrer Berechnung der weltweit in Mooren enthaltenen Menge an Kohlenstoff. Wie die beiden Forscher ebenfalls in „Nature Geoscience“ berichten, seien bei den bisherigen Abschätzungen mehrere grundsätzliche Fehler unterlaufen. Dazu gehörten, dass die Fläche an existierenden Mooren im nördlichen Asien ebenso wie die Akkumulationsraten von abgestorbenem pflanzlichen Material in den Feuchtgebieten erheblich unterschätzt wurden.

          Legt man die von den Autoren revidierten Werte zugrunde und wendet ihre neue Berechnungsmethode an, dann enthalten die Moore nahezu doppelt so viel Kohlenstoff wie bisher angenommen. Nichols and Peteet schätzen die in allen Mooren der Erde gespeicherte Menge auf mehr als tausend Gigatonnen. Die Speicherkapazität der gesamten Flora auf der Erde wird auf 550 bis 610 Gigatonnen Kohlenstoff geschätzt.

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