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Meteorologie : Abschied vom Winter

  • -Aktualisiert am

Frühling, Sommer, Herbst und – ja was eigentlich? Bild: Prisma Bildagentur

Zu Weihnachten blühen die Gänseblümchen, an Ostern wird gebibbert. Zeit, die Jahreszeiten neu zu definieren.

          6 Min.

          Es gehört zur Ironie dieses warmen Winters, dass er ausgerechnet im März nicht recht weichen will. Auch die Karwoche verspricht nass und kalt zu werden. Daran ändert der heutige Start in den kalendarischen Frühling wenig. Zwar ist ein unterkühltes Osterfest nichts Ungewöhnliches. Dennoch scheint beim Wetter in diesem Jahr etwas anders zu sein. Irgendwie ist es nicht mehr normal.

          Bis Mitte Januar konnte man nirgendwo in den deutschen Mittelgebirgen vernünftig Ski fahren. Selbst in den Alpen sah es nicht besser aus. Wenn die Feriengäste zu Weihnachten aus dem Fenster schauten, starrten sie deprimiert auf eine grüne Landschaft. So ging es auch Stefan Wirbser, dem Bürgermeister der Gemeinde Feldberg im Schwarzwald. Wirbser, 51, ist nicht nur seit mehr als zwanzig Jahren Bürgermeister, er ist Vorsitzender des Liftverbunds, Tourismusmanager und Präsident des Skiverbands. Wirbser ist Chef auf „dem Höchsten“, wie der 1493 Meter hohe Gipfel unter den Einheimischen heißt.

          Skisport ade

          Seit 125 Jahren wird im Schwarzwald Skisport betrieben. Auf das Jubiläum war man in diesem Winter besonders stolz. Alles war bereitet: der neue Sessellift, das neue, wenn auch umstrittene Parkhaus, dazu ausgebuchte Hotels. Nur eines fehlte: der Schnee. Der kam dann zwar später. Aber an Fastnacht standen die Lifte trotzdem still. Es stürmte. Wieder mal hieß es in diesem Winter, das sei der Klimawandel.

          Stefan Wirbser braucht man mit diesem Thema nicht zu kommen. Er hält es für ein reines Medienphänomen, das „immer dann aufkommt, wenn an Weihnachten kein Schnee liegt“. Schneearme Winter habe es immer schon gegeben, zuletzt reihenweise in den achtziger Jahren, damals sei halb Feldberg pleite gewesen, sagt Wirbser. Schon zu der Zeit nahm er an einem Forum über den Klimawandel teil. Unsere Kinder würden das Skifahren nicht mehr erleben, sagte ein Referent. Wirbser hielt das immer für Quatsch.

          Und die Lifte laufen doch

          Die jüngere Vergangenheit gibt ihm scheinbar recht. Achtzig Betriebstage, an denen die Lifte liefen, wurden in den vergangenen Jahren immer erreicht, auch dank neuer Beschneiungsanlagen. Daran werde sich nichts ändern, ist Wirbser überzeugt. Es wäre auch nicht auszudenken, denn Feldberg lebt vom Winter. 620.000 Übernachtungen pro Saison, 800 Arbeitsplätze und sieben Millionen Euro Umsatz. „Bis 2050 sind wir auf der Gewinnerseite“, sagt Wirbser. Danach müsse man sehen.

          Frühling Bilderstrecke

          „Fürst vom Berg“ nennen sie ihn unten im Tal. Als der in Freiburg heimische Tourismusverband vor einem Jahr eine Schwarzwald-Werbebroschüre ohne Skisport herausgab, legte Wirbser einen Auftritt hin, über den man heute noch spricht. Journalisten, die das Ende des Wintersports heraufbeschwören, erhalten ruppige Mails. Aber die Menschen auf dem Feldberg halten zu ihm. Für sie tut er beinahe alles. Was ihn ärgert, ist die Besserwisserei, die man ihm unten im beinahe mediterranen Freiburg oder Stuttgart entgegenbringt. Baut alle Skilifte ab! Setzt auf Wandern und alternative Programme! Und dann erst die Klimaforscher! „Das Problem wird politisch gelöst werden, der Mensch kriegt das in den Griff“, sagt Wirbser. So wie beim Waldsterben und beim Ozonloch.

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