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Meeresforschung : Wandernde Stromwirbel

  • -Aktualisiert am

Warmwasser für den Atlantik: der Indische Ozean bei Mauritius Bild: ddp

Warmwasserlieferant für den südlichen Atlantik: Der Agulhasstrom im Indischen Ozean bringt den Golfstrom auf Touren und nimmt Einfluss auf das Klima Mitteleuropas.

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          Der Agulhasstrom im Indischen Ozean ist eine der stärksten warmen Meeresströmungen. Er beginnt nördlich von Madagaskar, schmiegt sich nach Süden fließend an die Ostküste des südlichen Afrika und schießt dann am Kap der Guten Hoffnung vorbei weit nach Süden. In einem scharfen Knick ändert er dann bei etwa 45 Grad südlicher Breite plötzlich seine Richtung nach Osten und kehrt in den Indischen Ozean zurück. Dabei wird allerdings längst nicht alles Wasser des Agulhasstromes mitgerissen. Regelmäßig lösen sich bei der Kehrtwende Wirbel und Filamente vom Strom, die dann in den südlichen Atlantischen Ozean strömen. Eine internationale Forschergruppe hat nun herausgefunden, dass diese Wirbel sogar den Golfstrom und damit das Klima Mitteleuropas beeinflussen können.

          Angetrieben vom Südostpassat, trägt der Agulhasstrom im Durchschnitt pro Sekunde etwa 100 Millionen Kubikmeter warmes, salzreiches Meerwasser aus dem zentralen Indischen Ozean nach Süden. Etwa 85 Prozent davon fließen ungehindert durch den scharfen Knick und kehren wieder in den Indik zurück. Etwa alle drei bis vier Monate schnüren sich mächtige Wirbel von mehreren 100 Kilometern Durchmesser vom Hauptstrom ab. Diese Agulhasringe bringen warmes und salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean in den wesentlich kühleren und „süßeren“ Südatlantik. Schon seit Jahren nennen Fachleute diese Ringe und Wirbel die Agulhasleckage, durch die etwa 15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Atlantischen Ozean gelangen.

          Ein Antrieb für den Golfstrom

          Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Lisa Beal von der Universität von Miami und Arne Biastoch vom Forschungsinstitut Geomar in Kiel hat nun die Folgen dieser Leckage untersucht. Der größte Teil des Agulhaswassers vermischt sich noch vor Südafrika mit dem Atlantikwasser. Ein Teil gelangt aber bis vor die äquatoriale brasilianische Küste und wird dann weiter nach Norden in Richtung Karibik transportiert. Dort, so schreibt die Forschergruppe jetzt in der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 472, S. 429), hilft es den Golfstrom aufzuwärmen und damit - langfristig - das Klima in Europa zu beeinflussen.

          Die Forscher haben nicht nur die aktuellen Strömungsverhältnisse analysiert, sondern auch anhand von Meeressedimenten die historische Entwicklung der Agulhasleckage nachgezeichnet. Dabei stellte sich heraus, dass sich in Kaltzeiten kaum Wirbel vom Agulhasstrom abschnürten. Unter den kühleren Klimabedingungen dehnte sich nämlich der antarktische Zirkumpolarstrom weit nach Norden aus. Die Ausdehnungen wiederum schob auch die Agulhaskehre nach Norden und verhinderte, dass Wirbel in den Atlantik gelangen konnten. Dagegen nahm die Zahl der Wirbel unter wärmeren Klimabedingungen erheblich zu. In den Warmzeiten gelangte deshalb mehr warmes, salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean in den Südatlantik und in die Karibik, was wiederum den Golfstrom stärker antrieb, wodurch sich auch das Klima in Mitteleuropa erwärmte. Die Wirbel des Agulhasstroms liefern dann gleichsam die Fernwärme für den Golfstrom.

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