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Meeresforschung : Tauchboot „Nereus“ wurde in der Tiefe zerquetscht

  • -Aktualisiert am

Tauchboot Nereus Bild: Woods Hole Oceanographic Institution

Seit dem 10. Mai wird das unbemannte Forschungs-U-Boot Nereus vermisst. Jetzt ist bekannt geworden, dass es offenkundig dem übermächtigen Wasserdruck in 10.000 Meter Tiefe nicht standhalten konnte.

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          Mit der Havarie des unbemannten Tauchbootes „Nereus“ im Kermadecgraben hat die Erforschung der Tiefsee einen schweren Schlag erlitten. Das vom Meeresforschungsinstitut in Woods Hole im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts betriebene U-Boot gehört nämlich zu den drei Tauchbooten, die in der Lage sind, die tiefsten Bereiche der Weltmeere von 8000 Meter Wassertiefe zu erreichen. Die beiden anderen sind das vom japanischen Institut for Meerestechnik (Jamstec) in Yokohama betriebene unbemannte Tauchboot „Abismo“ sowie das vom Filmregisseur James Cameron privat finanzierte bemannte U-Boot „Deepsea Challenger“.

          Das Tauchboot „Nereus“ wurde im Jahre 2009 in Dienst gestellt. Es handelt sich um ein sogenanntes Hybridboot, das entweder über ein Kabel von einem Piloten auf dem Mutterschiff gesteuert werden oder als autonomes Unterwasserfahrzeug selbständig nach einem vorprogrammierten Fahrplan die Tiefsee erforschen kann.

          Hinunter in die tiefsten Regionen

          Im Mai 2009 tauchte „Nereus“ als drittes Fahrzeug überhaupt in das tiefste Meeresgebiet, das mehr als 10.900 Meter tiefe „Challenger Deep“ im Marianengraben. Nach zahlreichen weiteren erfolgreichen Testfahrten entwickelte die amerikanische National Science Foundation um „Nereus“ herum ein aufwendiges, auf mehrere Jahre angelegte Programm zur Erforschung der tiefsten Gebieten in den Weltmeeren, der sogenannten hadalen Zone. Ziel des Forschungsprogramms ist es unter anderem die zahlreichen dort existieren Lebewesen zu untersuchen.

          Vor wenigen Wochen begann das Projekt mit verschiedenen Tauchgängen im Kermadecgraben, der sich zwischen Tonga und Neuseeland erstreckt und bis zu 10.047 Meter tief ist. Wie erst jetzt bekannt wurde kehrte „Nereus“ am 10. Mai von einem dieser Tauchgänge nicht mehr zurück. Später fanden Forscher an der Meeresoberfläche Wrackteile des Tauchbootes. Eine erste Untersuchung ergab, dass „Nereus“ offenbar in 9900 Meter Tiefe bei einem Wasserdruck, der etwa dem Tausendfachen des Luftdrucks an der Erdoberfläche entspricht, implodierte. Mit dem Verlust des Tauchbootes ist nun das gesamte Forschungsprogramm in Frage gestellt.

          Die unbemannte Tauchboote der deutschen Meeresforschungsinstitute erreichen diese extreme Wassertiefe nicht. Das Boot „Quest“ von Marum in Bremen kann bis zu 4000 Meter tief tauchen, „Abyss“ und „ROV Kiel“ vom Geomar in Kiel erreichen jeweils bis zu 6000 Meter Tiefe. Camerons „Deepsea Challenger“ befindet sich derzeit unbenutzt in einem Lager an der amerikanischen Ostküste.

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