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Lichtverschmutzung : Die Nächte sind blauer geworden

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Dieses 2015 von der Internationalen Raumstation aus aufgenommene Bild Mailands zeigt den Übergang zur LED Technologie im Zentrum der Stadt. Bild: NASA/ESA

Die Beleuchtung der Städte hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Doch der Effekt des zunehmenden Einsatzes von LEDs ist anders als erwartet.

          Gerade an trüben Herbsttagen merken wir es: Licht ist lebensnotwendig und künstliches Licht ein Fortschrittsmotor ohnegleichen: Es ermöglicht uns, der Dunkelheit ein Schnippchen zu schlagen. Nicht länger ist unser Tagwerk auf die Sonnenstunden beschränkt, wir leben einen 24-Stunden-Tag. Der Blick aus dem All zeigt: Wo immer es sich der Mensch auf unserem Planeten gemütlich macht, erhellt er seine Umgebung mit künstlichem Licht.

          Das hat seinen Preis. Verlässliche Zahlen gibt es kaum, doch Experten schätzen, dass weltweit mehrere hundert Millionen Straßenlampen im Einsatz sind, Tendenz steigend. Um die 100 Milliarden Euro und mehrere 100 Millionen Tonnen CO₂ dürfte uns diese Beleuchtung unseres Planeten pro Jahr wert sein. Dazu kommen unzählige private Lampen. Kein Wunder, dass Städte weltweit ihre Beleuchtung auf energiesparende Leuchtdioden (LEDs) umstellen. Mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs kann eine LED im Vergleich zu den weitverbreiteten Gasentladungslampen einsparen – bei gleicher Beleuchtungsstärke. Die Stadt Mailand hat beispielsweise zwischen 2012 und 2015 einen Großteil ihrer Beleuchtung auf LEDs umgerüstet. Das zeigen die beiden Fotos, die Astronauten auf der Internationalen Raumstation aufgenommen haben. Indikator ist der Farbunterschied der Lichter: Die alten Natriumdampflampen leuchteten orange, die LEDs sind weiß.

          Im Jahr 2012 sah man Mailand von der Internationalen Raumstation aus noch vom gelblichen Licht der alten Natriumdampflampen erhellt.

          Verringern die energiesparenden LEDs also Stromverbrauch und CO₂-Ausstoß? In einer perfekten Welt vielleicht, aber nicht auf der Erde. Wissenschaftler um Christopher Kyba vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam untersuchten mit dem Wettersatelliten Suomi NPP, wie sich die weltweite künstliche Beleuchtung zwischen 2012 und 2016 verändert hat. Das weiße LED-Licht besteht aus sämtlichen Spektralfarben von blau nach rot, und gerade im blauen Bereich, in dem viele LEDs hell strahlen, ist die Kamera an Bord von Suomi NPP blind. Entsprechend erwarteten die Forscher eine Abnahme der vom Satelliten registrierten Helligkeit, wenn alte Lampen durch LEDs ersetzt werden. Doch fast überall nimmt die Helligkeit zu, bestenfalls bleibt sie konstant.

          Die Forscher erklären das mit einem altbekannten Effekt: Vergünstigt sich eine Ressource durch eine neue Technologie, steigt ihr Verbrauch mittelfristig an, was den Effizienzgewinn auffrisst. Sprich: Wird Licht billiger, wird eben mehr und heller beleuchtet. Das stört einerseits Astronomen, die immer weniger Sterne sehen können. Und das blaulichtreiche Licht hält uns nicht nur wach, es steht auch im Verdacht, bestimmte Krebsarten zu fördern. Eigentlich ein weiterer Grund, sparsam damit umzugehen.

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