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Trinkwasser-Qualität : Sauber ist nicht dasselbe wie rein

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Arbeiten nach dem Vorsorgeprinzip

Zwar seien in der Trinkwasserverordnung keine harten Grenzwerte für Medikamente vorgesehen, erklärt Tamara Grummt, die das Fachgebiet Toxikologie des Trinkwassers beim Umweltbundesamt leitet. Dafür aber lege man gesundheitliche Orientierungs- oder Leitwerte fest. „Diese orientieren sich an jahrzehntelanger toxikologischer Forschung“, sagt Grummt. Je weniger Daten es darüber gebe, ob ein Stoff schädlich sei, desto strenger seien diese Werte. Man arbeite nach dem Vorsorgeprinzip: „Es ist noch nie vorgekommen, dass wir einen Orientierungswert nach unten korrigieren mussten, also festgestellt haben, dass niedrigere Konzentrationen eines Stoffes schädlicher sind, als wir angenommen haben.“ Wenn nun ein Wasserwerk einen Stoff im Trinkwasser findet, der diese Orientierungswerte überschreitet, ist es per Trinkwasserverordnung dazu verpflichtet, ihn zu reduzieren. Die Medikamentenrückstände im Trinkwasser, da ist sich Grummt sicher, schädigen weder Erbgut noch Immunsystem, Nerven oder ungeborene Kinder. Auch wenn diese Substanzen nicht dorthin gehören.

Auch Engelbert Schramm vertraut den toxikologischen Tests des Umweltbundesamts. Er ist Mitbegründer des Instituts für sozial-ökologische Forschung und setzt sich mit Nachhaltigkeitsfragen im Wasserkreislauf auseinander. „Ein gesundheitlicher Schaden durch Leitungswasser ist nicht zu erwarten“, sagt er. Gleichwohl betont er, dass die Menschen nicht nur toxikologisch einwandfreies Wasser wollen. Vielmehr hätten sie gerade bei Wasser einen sehr hohen Anspruch an Natürlichkeit und Reinheit.

Der Verbraucher will einfach kein Wasser, das schon einmal geklärt wurde, das unlängst durch Därme geflossen ist oder Arzneimittelspuren enthält. Das Wasserwerk der Stadt Dinslaken am unteren Niederrhein stellt seit 2010 genau so ein Wasser her. Es enthält dank des Einbaus einer neuen Filteranlage nicht einmal mehr Spuren von Arzneimitteln oder anderen Mikroverunreinigungen.

Der Aufwand, den man in Dinslaken treibt, hat jedoch besondere Gründe. Man sieht sie, wenn man entlang der neugestalteten Uferpromenade des Rheins fährt. Hinter dem Deich weiden Kühe, der Mais steht hoch. „Von hier an wird es holprig“, warnt Wolfgang Kammann und deutet auf die Straße. „Hier ist der Boden durch den Bergbau um fünf Meter abgesackt.“ Kammann ist Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei den Stadtwerken Dinslaken. Steinkohlestollen durchziehen das Erdreich unter der Stadt wie die Gänge eines Maulwurfs, erklärt er. Er erinnert sich noch genau daran, was für ein Kopfzerbrechen das den Behörden und dem Wasserwerk machte. „Eigentlich ist das Grundwasser hier sehr gut. Aber dadurch, dass der Boden abgesackt ist, droht der Rhein bei Hochwasser hineinzudrücken.“ Und damit auch all die Stoffe, die niemand im Trinkwasser haben will.

Mit hohem Druck durch die Nanofilter

Das neue Filtersystem soll so fein filtern, dass nur noch Moleküle von H2O-Größe durch die Poren kommen. Die Poren dürfen deshalb nur einen milliardstel Meter, also einen Nanometer, messen. Die einzelnen Nanofilter-Module im Wasserwerk liegen wie blau gestrichene Baumstämme auf Eisenregalen. In der großen Halle ist es laut und kühl: Das Grundwasser strömt mit einer Temperatur zwischen acht und zehn Grad in riesigen Metallrohren in die Halle und wird in einem Wasserbassin aufgefangen. Von dort wird es mit hohem Druck durch die Nanofilter gepresst. Vier Fünftel des Wassers werden so auch von den Mineralien befreit. Der Rest ist deswegen besonders reich an Mineralstoffen und Kalk. Bevor er in den Rhein entsorgt wird, sammelt er sich in einem Becken. Durch ein Bullauge in der Wand des Beckens kann man hineinschauen. Es wächst von den Seiten mit weißen Kalkkristallen zu.

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