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Lausitz : So schön wie ein Bad in Essig und Schwefel

  • -Aktualisiert am

Eine Seenplatte als Touristenmagnet - in der Lausitz umstritten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Kohleförderung im Tagebau hinterläßt eine Mondlandschaft mit vielen Wasserlöchern. Doch statt der erträumten Badeseen für Touristen entstehen mancherorts extreme Gewässer.

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          Die Farbe: ein helles Rotbraun, aber doch kristallklar, wie dünner Schwarztee. Das Bukett: leicht muffig, stellenweise eine deutliche Note von Schwefelwasserstoff. Der kleine See mit dem hübschen Namen Restloch 111 liegt zwar äußerst beschaulich und einsam im Wald, doch man muß kein Gewässerkundler sein, um zu merken, daß mit der Idylle etwas nicht stimmt. Letzte Gewißheit liefert die Zunge: Finger ins Wasser, dann in den Mund, es entfaltet sich ein leicht säuerlicher Geschmack mit deutlicher Eisen-Note.

          Diesen sinnlichen Eindruck bestätigen auch die harten Meßdaten: Der pH-Wert des Seewassers liegt mit 2,6 in etwa beim Säuregrad von Essig, den metallischen Nachgeschmack und die rostige Farbe erzeugen große Mengen gelösten Eisens. Nur wenige Tierarten überleben unter diesen extremen Bedingungen, darunter die Larven von Zuckmücken oder die im wilden Zickzack nach ihnen jagenden Wasserwanzen. Als einzige höhere Pflanze wagt sich Schilfgras in das seichte Wasser vor, von trübendem Plankton keine Spur.

          Von der Grube zum Stehgewässer

          Restloch 111 liegt im Niederlausitzer Braunkohlenrevier Koyne-Plessa, fünfzehn Autominuten auf immer schlechter werdenden Sträßchen und Waldwegen von dem Dörfchen Grünewalde entfernt. Das einen knappen Kilometer lange Gewässer ist einer der zahllosen Bergbauseen, die der Braunkohletagebau seit dem 19. Jahrhundert in der Lausitz hinterlassen hat. Nach dem Ende der DDR, die sich durch forcierte Kohleförderung energieautark machen wollte, wurden die meisten Tagebaue in der Lausitz und in der zweiten großen Braunkohleregion zwischen Leipzig und Bitterfeld aufgegeben. So stellte sich die Frage: Was tun mit den tiefen Löchern in der Landschaft, die nach dem Abschalten der Sümpfungspumpen langsam wieder mit Grundwasser volliefen?

          Die naheliegende Antwort hieß „Leipziger Neuseenland“ und „Lausitzer Seenplatte“. Wie die Umwandlung von der Grube zum Stehgewässer im günstigsten Fall aussehen kann, demonstriert der Cospudener See im Süden Leipzigs. Zu Tausenden ziehen die Bewohner der Stadt an heißen Sommerwochenenden an den 436 Hektar großen See, wo sie sich auf künstlichen Sandstränden, in Segelbooten und Strandbars vergnügen. Das einzige, woran es vorerst noch mangelt, sind Schattenplätze. Die Bäume in Ufernähe sind noch klein und verraten das geringe Alter der sonst gut eingewachsenen Anlage.

          Nach der Stillegung des Tagebaus Cospuden 1992 wurde das riesige Loch im Schnellverfahren vor allem mit Sümpfungswasser aus dem nahe gelegenen, noch heute aktiven Tagebau Schleenhain gefüllt, im Frühjahr 2000 erreichte der neue See seinen heutigen Wasserstand. Die Gesundheitsbehörden bescheinigen dem „Cossi“, wie die Leipziger ihr neues Naherholungszentrum nennen, beste Wasserqualität, der pH-Wert liegt nahe am Neutralpunkt von 7. Auch die Natur hat sich den See erobert, in Wäldern aus Wasserpflanzen tummeln sich Rotfeder, Barsch und Hecht. Komplett wird das Leipziger Neuseenland, wenn sich die umliegenden Restlöcher im Laufe der kommenden Jahre mit Wasser aus Schleenhain und aus der Weißen Elster zum Markkleeberger, Zwenkauer und Störmthaler See füllen.

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