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Fische in der Hitze : „Entscheidend ist der Sauerstoff“

  • -Aktualisiert am

Bislang sind solche Bilder noch die Ausnahme. Bild: dpa

Droht wegen der langen Hitzewelle in Deutschlands Gewässern nun ein großes Fischsterben? Der Berliner Biologe Christian Wolter gibt vorerst Entwarnung.

          Der Schweizerische Fischereiverband warnt wegen der großen Hitze vor einem Massen-Fischsterben im Rhein. Sehen Sie das genauso?

          Nein, das sehe ich nicht so. Die Schweizer blicken natürlich auf den Hochrhein, wo es viele wärmesensible Fische wie Forellen und Äschen gibt. Und die geraten bei Wassertemperaturen über 25 Grad in Schwierigkeiten, das stimmt schon. Allerdings wandern die jetzt in Refugien ab, suchen sich kühlere Orte. Weiter flussabwärts leben zudem mehr karpfenartige Fische, die kommen mit Wärme ohnehin besser klar.

          Ist das befürchtete große Fischsterben also nur Panikmache?

          Es ist eine gewisse Panikmache dabei. Aber ich kann die Fischereiverbände schon verstehen. Die wollen, dass sich im Rhein endlich was ändert. Am Hochrhein gibt es zahlreiche Stauwehre. Dadurch fließt das Wasser langsamer, rauscht weniger und wird kaum verwirbelt. Ohne Turbulenzen wird allerdings weniger Sauerstoff in den Rhein eingetragen, außerdem sammeln sich Sedimente am Grund. Ein weiteres Problem sind die Kraftwerke, die das Rheinwasser zum Kühlen nutzen. So wird das Wasser noch wärmer, und der Sauerstoffgehalt nimmt ab. 28 Grad warmes Wasser enthält im Vergleich zu 10 Grad kaltem nur ein Drittel seines Sauerstoffgehalts.

          Wie ist die Lage an anderen Flüssen in Deutschland?

          Das Niedrigwasser finden wir mittlerweile überall im Land. Die Oder kann man durchwaten, die Elbe ist nur noch ein Flüsschen. Die Fische können damit aber umgehen, sie haben ihre eigenen Strategien entwickelt.

          Wie genau? Schwitzen können die ja nicht, oder?

          Nein, natürlich nicht. Aber sie sind den Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser gewohnt. Gerade für Jungfische sind die warmen Wassertemperaturen ideal. Wenn es ihnen dann doch einmal zu heiß wird, suchen sich die Fische Mikrorefugien. Zuerst wandern die großen Exemplare ab, dann die kleinen. Sie flüchten in die Strommitte, in kleine Vertiefungen, die sogenannten Kolke. Dort gibt es Turbulenzen, dort bilden sich kleine Luftbläschen, so dass Sauerstoff mechanisch eingetragen wird. Andere wiederum suchen sich Stellen, in denen kaltes Grundwasser in den Fluss strömt. Oder sie schwimmen gleich stromabwärts.

          Wie ist die Lage an Gebirgsbächen, wo viele lachsartige Fische leben, die es eher kühl mögen?

          In den Oberläufen gibt es grundsätzlich kaum Probleme. Die kühle Quelle ist noch nah, es gibt ein größeres Gefälle und dadurch mehr Sauerstoff im Wasser. Zudem schatten Bäume den Fluss ab. Dadurch erwärmt er sich nicht so schnell.

          Die Hitze soll mindestens bis zur Wochenmitte anhalten. Sie befürchten also kein großes Fischsterben in Deutschland?

          Christian Wolter arbeitet am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.

          Das Bild vom möglichen großen Fischsterben in Deutschland, das derzeit gezeichnet wird, ist definitiv falsch. Natürlich gibt es jetzt manche Fische, die mit der Wärme nicht klarkommen und irgendwann kieloben treiben. Problematisch wird es generell, wenn sich der Sauerstoffgehalt eines Gewässers schnell absenkt, auf unter drei Milligramm pro Liter. Kritisch wird es allerdings erst bei Werten unter anderthalb Milligramm. Die Idealtemperatur vieler Arten liegt aber bei über 20 Grad, solche Wassertemperaturen sind im Sommer üblich. Es gibt sogar Spezialisten, die halten Temperaturen über 30 Grad aus, können sogar über Tage ganz ohne Sauerstoff auskommen.

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