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Träges Speichermedium Wasser : Ozeane erwärmen sich schneller als erwartet

Die Erwärmung der Ozeane bedrohen die Korallenriffe. Bild: University of California / Science

Schlechte Nachrichten nicht nur an der Wetterfront: Der Klimawandel hat die Ozeane schneller aufgeheizt als gedacht. Das bedeutet nichts Gutes für die Zukunft.

          Es ist nicht das erste Mal, dass der Weltklimarat IPCC schneller korrigiert wird, als ihm lieb sein kann. Die Selbstkorrektur ist Teil seiner fortlaufenden Arbeit. Jede Woche kommen neue, aktuellere Ergebnisse dazu. Diesmal aber enthält die Aktualisierung, die via „Science“ übermittelt und damit auch der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, eine besonders beunruhigende Nachricht: Die Erwärmung der Weltmeere hat sich weiter beschleunigt - deutlich stärker, als es bislang bekannt war.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Beunruhigend ist das vor allem deshalb, weil der allergrößte Teil - etwa 93 Prozent - der Energie, die sich durch den menschengemachten Treibhauseffekt in der Atmosphäre ansammelt, von den Ozeanen aufgenommen, gespeichert und der Klimawandel damit langfristig quasi programmiert bleibt. Abkühlen geht so schnell wieder nicht. Die Meere sind ein unglaublich träges Speichermedium. Genau deshalb muss die überraschend schnelle Aufnahme der Wärmeenergie in jüngster Zeit nicht nur dem Weltklimarat, sondern vor allem der internationalen Klimapolitik Kopfzerbrechen bereiten. 

          Das vergangene Jahr war der neuen Veröffentlichung zufolge  „das heißeste Meeresjahr seit Beginn der Messungen“, auch 2017 lieferte bereits Spitzenwerte, ebenso wie 2016 und 2015. Mit anderen Worten: Von einem Abbremsen der Erderwärmung ist weit und breit nichts zu sehen. Im Gegenteil: Verglichen mit dem seit den sechziger Jahren ermittelten anfänglichen Erwärmungstrend hat sich die durch Treibhausgase angefachte Aufheizung der Meere inzwischen um vierzig Prozent verstärkt - Tendenz weiter steigend. 

          NOAA-Wissenschaftler installieren eine ARGO-Boje und setzen sie im Meer aus.

          Ausgewertet wurden die Ozeanwerte von einer amerikanisch-chinesischen Gruppe um den arrivierten Analysten Kevin Trenberth vom amerikanischen Atmosphärenforschungsinstitut Ncar, von Zeke Hausfather von der University of California und von Lijing Cheng von der chinesischen Wissenschaftsakademie. Vor allem die seit Beginn dieses Jahrtausends in den Weltmeeren installierten Roboterbojen geben den Forschern heute die Sicherheit, dass ihre Messungen genauer sind denn je. Täglich erfassen diese fast viertausend Messbojen die Temperaturen und den Salzgehalt bis in Tiefen von zweitausend Metern.

          Das moderne Messnetz lässt, zusammen mit den seit Jahrzehnten erfassten Satellitendaten und den Schiffsmessungen, nach Überzeugung der Klimaforscher keinen Zweifel: Die Aussagen des Weltklimarates in ihrem vor fünf Jahren veröffentlichten fünften Sachstandsbericht sind längst überholt, die Meere heizen sich sehr viel schneller auf als erwartet. In mittlerweile vier neuen Forschungsarbeiten sei das dokumentiert.

          Auf Basis dieser Veröffentlichungen rechnen die Experten damit, dass die Meere bei einem „Weiter-so“ in der Klimapolitik allein von heute bis zum Ende dieses Jahrhunderts mindestens sechsmal so viel Energie aufnehmen wie in den vergangenen sechzig Jahren. Die Ausdehnung der Meere allein - nur ein Erwärmungseffekt neben Strömungsänderungen, Korallensterben und der möglichen Verstärkung tropischer Wirbelstürme - würde den Meeresspiegel weltweit um weitere dreißig Zentimeter steigen lassen.  Hinzu kommen freilich die gewaltigen Süßwassermassen, die durch die Eisschmelze in den Bergen und den polaren Gletschern entstehen und in die Ozeane abfließen. 

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