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Klimawandel : Globale Erkältung

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Das Nachthimmelsleuchten der Mesopause sehen die Astronauten der Internationalen Raumstation als grünlich leuchtende Hülle, die die Erde umgibt. Das Licht der untergehenden Sonne erscheint als heller Streifen. Bild: Science and Analysis Laboratory / Nasa

Es wird wärmer auf der Erde. Allerdings nicht überall: In der Hoch- atmosphäre bewirken Treibhausgase sogar einen Rückgang der Temperatur - drastischer noch als die Erwärmung am Erdboden. Des- halb nehmen Wissenschaftler die Mesosphäre genauer in den Blick.

          Globale Erwärmung? Am letzten Sommertag dieses Jahres präsentiert sich das Zugspitzplatt tief verschneit. Minus zwei Grad zeigt das Thermometer auf Deutschlands höchstem Gipfel an. Nur wenige Besucher haben sich an diesem Tag hierher verirrt, dabei schien das Besucherplateau noch ein paar Tage zuvor bei Sonnenschein unter der Last der Menschen zusammenzubrechen. Einige arabische Touristinnen setzen mit ihren schwarzen Schleiern den einzigen Kontrastpunkt vor der weiß-grau verschneiten Landschaft. Sie haben sich den Besuch hier oben sicher anders vorgestellt, das Alpenpanorama können sie wegen des Schneetreibens allenfalls auf den Fotografien der Informationstafeln bewundern.

          Trügerische Wahrnehmung

          Man könnte es den würdigen Abschluss eines durchwachsenen Sommers nennen. Doch Wetter und Klima sind bekanntlich grundverschiedene Dinge, und so hat das subjektive Wetterempfinden mit der globalen Realität wenig zu tun. Tatsache ist: Der August 2012 war in den Alpen der viertwärmste seit rund 250 Jahren, und der arktische Meereisschild schmilzt einem neuen Minusrekord entgegen. Warum ist die Wahrnehmung für viele Menschen dennoch eine andere - im Gegensatz zur Mehrzahl der Wissenschaftler? Deutlich zeigte dies eine im Jahr 2008 durchgeführte Umfrage von Peter Doran und Maggie Zimmerman von der University of Illinois in Chicago.

          Von den Befragten, vorwiegend amerikanische Klimaforscher, waren neunzig Prozent der Ansicht, dass die globale Temperatur seit dem neunzehnten Jahrhundert gestiegen ist, und etwa achtzig Prozent glaubten, dass daran menschliche Aktivitäten einen signifikanten Anteil haben. In der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten teilte dagegen nur rund die Hälfte der Befragten diese Ansicht. Ist der Grund für diese verbreitete Meinung, dass ein paar verregnete Sommertage eher prägen als abstrakte Zahlen? Der Weltklimarat IPCC prognostiziert eine durchschnittliche Erwärmung am Erdboden von 0,18 Grad pro Jahrzehnt, gemittelt über die Messdaten der vergangenen 25 Jahre. Klingt diese globale Fieberkurve vielleicht nicht dramatisch genug?

          Unten wärmer, oben kälter

          Womöglich könnte ein Blick nach oben, in die höheren Luftschichten eine eindeutige Antwort liefern. „In der Mesosphäre und ihrer oberen Grenzschicht, der Mesopause in achtzig bis hundert Kilometer Höhe, sollte die Temperaturänderung mindestens zehnmal so stark ausfallen, wie auf der Erdoberfläche - um zwei bis drei Grad pro Jahrzehnt“, sagt der Klimaforscher Michael Bittner vom Fernerkundungsdatenzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München, das auf dem höchsten Berg Deutschlands regelmäßig Klimamessungen vornimmt. Nur die Richtung der Temperaturänderung ist umgekehrt. „Während die Zufuhr von Treibhausgasen wie Kohlendioxid am Erdboden für eine Erwärmung sorgt, sollte sie in der Mesosphäre und der Mesopause zu einer langfristigen Abnahme der Temperatur führen. Wir nennen das ,cooling to space’, also die verstärkte Abstrahlung von Wärme in den Weltraum.“ Im für Besucher normalerweise nicht zugänglichen Schneefernerhaus, auf 2600 Meter Höhe zwischen Zugspitzplatt und Gipfel, stehen zwei von Bittners Messgeräten. Das ehemalige Hotel, spektakulär mit seinen neun Etagen in den Fels gebaut, beherbergt seit 1999 eine Forschungsstation unter der Schirmherrschaft des bayerischen Umweltministeriums. Normalerweise laufen die Messungen ferngesteuert. Wenn alles gut läuft, braucht im Grunde niemand den weiten Weg hier hoch zu machen.

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