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Gute Vorsätze : Weniger streamen?

Video killt nicht mehr nur Radio-Stars. Seit jeder alles abrufen kann, quellen die Treibhausgase auch aus den Servern der Streaming-Dienste. Bild: AFP

Die Liste der Klima-Sünden wird immer länger – und offenbart einen unheimlichen Zielkonflikt.

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          Gute Vorsätze in den ersten Januartagen waren einmal eine Sache der Individualethik: weniger futtern, mehr bewegen, vielleicht noch netter zu den Mitmenschen sein. Im Lichte dessen, was der einzelne Wohlstandswestler gegen den Klimawandel tun könne und daher auch solle, wirken solche Gelöbnisse ziemlich selbstsüchtig. Zeitgemäße Vorsätze dienen fernen Wäldern, anderen Spezies, späteren Generationen. Daher: weniger Flugreisen, weniger Rinderfilets, mehr Bahnfahren.

          Doch diese Liste wird ständig länger. Jetzt steht auch schon „weniger shoppen“ drauf, und im Juli haben Klimaaktivisten des „Shift Project“ Berechnungen vorgelegt, nach denen sich bereits 2025 die Frage, wer im Generationengefüge nun die größere Umweltsau ist, noch einmal neu stellt.

          Freiheit kostet Energie

          Sofern sich heutige Trends fortsetzen, werden dann die digitalen Technologien nämlich einen ebenso hohen Anteil an den insgesamt durch menschliche Aktivität abgesonderten Treibhausgasen freisetzen, wie ihn heute die Autos emittieren. Mehr als die Hälfte der in digitalem Gerät verbratenen Energie schluckt schon heute der Datenverkehr. Dieser wird zu 60 Prozent von Youtube, Netflix & Co. verursacht, den Leitmedien der Jugend.

          Wer es hier nicht beim Aufruf zu guten Vorsätzen belassen will, sondern das Heil in der Regulierung sucht, wird sich nach den Zeiten zurücksehnen, als es bloß um Tempolimits und Pendlerpauschalen ging. Tatsächlich zeigt sich auch in dieser Entwicklung der grundlegende Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Freiheit – selbst wenn es hier nur um die Freiheit von den Zwängen eines linearen Fernsehprogrammes ginge. Freiheit kostet Energie, und immer mehr Freiheit kostet immer mehr Energie, und irgendwann – vielleicht auch schon jetzt – mehr, als Sonne und Wind allein abzuringen ist. Das ist das gewaltige Dilemma unserer Zeit.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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