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Land entwickelt Gegenstrategie : Klimawandel bedroht Artenvielfalt in Hessen

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Abgeholzt und zu Stapeln geschlichtet: abgestorbene Fichten im Wald bei Spangenberg Bild: dpa

Mehr als 70 heimische Tier- und Pflanzenarten sind schon jetzt vom Aussterben bedroht. Das Land Hessen hat eine Liste mit den „Klimaverlierern“ in Flora und Fauna erstellen lassen – um Gegenstrategien zu entwickeln.

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          Der Klimawandel bedroht zunehmend Tier- und Pflanzenarten in Hessen. Nach Auskunft des hessischen Umweltministeriums sind 73 Arten bereits jetzt vom Aussterben bedroht und weitere 70 stark gefährdet. Um sich einen Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels zu verschaffen, hat das das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie eine Liste mit 234 heimischen Tier- und Pflanzenarten erstellt, die als „Klimaverlierer“ gelten. Bei ihnen handelt es sich überwiegend um kälte- und feuchtigkeitsliebende Arten.

          „Nicht nur am Amazonas, sondern auch hier in Hessen ist die Artenvielfalt durch die Klimakrise in Gefahr“, teilte Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in Wiesbaden mit und ergänzte, dass neben den 234 Tier- und Pflanzenarten auch 31 Lebensraumtypen bedroht seien.

          „Die haben dann schlechte Karten“

          Die angefertigte Liste ist laut Hinz ein wichtiges Werkzeug für Artenschutzmaßnahmen, die im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans angewendet werden. Dazu zählt beispielsweise die Biotopvernetzung, die von der Landesregierung mit 520.000 Euro unterstützt wird. Vernetzte Biotope ermöglichen es Tieren zu wandern und auszuweichen, wenn sich ihr Lebensraum verändert.

          „Wenn nichts getan wird, könnten einige der bedrohten Arten lokal komplett aussterben“, sagte Lisa Schwenkmezger vom Landesamt für Naturschutz. Der Klimawandel verstärke den Druck auf die ohnehin bedrohten Arten. Insbesondere in höher gelegenen Regionen wie etwa der Rhön oder dem Vogelsberg sei die Lage für die Tiere brisant, wenn sich die Vegetation aufgrund höherer Temperaturen ändere. „Die Tiere, die ganz oben leben, können nicht weiter in die Höhe ausweichen. Die haben dann schlechte Karten“, erläuterte Schwenkmezger. Um die Tiere zu schützen, schlägt sie vor, die Bedingungen in den jeweiligen Lebensräumen zu verbessern. „Eine stabile Population kann sich besser gegen schädliche Umwelteinflüsse behaupten.“

          Umweltministerin Hinz nannte als Beispiel den Feuersalamander. Im Vogelsberg seien während des Hitzesommers 2018 einige Bachoberläufe ausgetrocknet, die als Laichgewässer für den Feuersalamander dienten. Dadurch, so Hinz, erlag dort wahrscheinlich die komplette Reproduktion der Tiere. „Das Land versucht unter anderem durch die Renaturierung von Quellen und Bächen die Population des Feuersalamanders in Hessen zu sichern“, sagte die Ministerin. Sie machte aber auch klar: “Wir brauchen aber gleichzeitig engagierten Klimaschutz, damit sein Lebensraum nicht dauerhaft verloren geht.“

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