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Klimawandel : Die Zeugen der Zweifler

  • -Aktualisiert am

Die Pegel steigen. Aber ist das unsere Schuld? Die Küste vor dem nordspanischen Santander trotzt dem Atlantik. Bild: dpa

Ein klimaskeptischer Forscher hat Probleme bekommen. Wie viele seiner Art gibt es überhaupt?

          Für die Klimadebatte war es eine ereignisreiche Woche. Nicht so sehr wegen der wissenschaftlichen Neuigkeiten, die es durchaus auch gab. So erschien am Donnerstag in Nature eine Arbeit amerikanischer Geowissenschaftler, deren Messungen zum ersten Mal den Anstieg jener infraroten Wärmestrahlung nachweisen konnten, die von der gestiegenen Zahl der CO2-Moleküle in der Luft zum Boden zurückgestrahlt wird.

          Mehr Aufmerksamkeit fanden indes zwei Personalien. Am Dienstag trat Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des International Panel of Climate Change (IPCC), vorzeitig von seinem Amt zurück, nachdem am Freitag zuvor gemeldet worden war, dass die indische Polizei gegen ihn ermittelt. Eine Mitarbeiterin einer von Pachauri geleiteten Non-Profit-Organisation in Neu-Delhi wirft ihm vor, sie belästigt zu haben. Am selben Tag berichtete die New York Times über Dokumente, die nahelegen, dass der Klimaforscher Wei-Hock „Willie“ Soon vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) mehr als 1,2 Millionen Dollar von Unternehmen bekam, die von der Nutzung fossiler Energieträger leben - und diese Einnahmequelle verheimlicht hat. Soons Forschungsarbeiten, sogar seine Aussagen vor dem amerikanischen Kongress waren in seinen Vereinbarungen mit den Geldgebern aus der Kohle- und Erdölbranche als „lieferbare Resultate“ (deliverables) bezeichnet worden.

          Mit dem Klima hat nur der zweite Fall zu tun. Willie Soon ist einer der Kronzeugen der sogenannten Klimaskeptiker, die nicht glauben können, dass die globale Erwärmung eine Folge des CO2 ist, das die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung in die Erdatmosphäre bläst. In einem 2003 in Climate Research erschienenen Artikel behaupteten Soon und seine CfA-Kollegin Sallie Baliunas, dass die für das 20. Jahrhundert nachgewiesene Temperaturzunahme mit Wärmeepisoden in vorindustrieller Vergangenheit vergleichbar sei, mithin ihre Ursache in natürlichen Prozessen zu suchen sei. Soon und Baliunas favorisierten eine Variabilität der Energieabstrahlung der Sonne.

          Damit widersprachen sie einem Berg an wissenschaftlicher Literatur, die professionelle Klimatologen, Ozeanologen und Atmosphärenphysiker angehäuft haben und deren Erkenntnisse vom IPCC regelmäßig in Sachstandsberichten zusammengefasst werden. Dass die beobachtete Erwärmung zum Großteil auf den steigenden Gehalt an dem Treibhausgas CO2 in der Atmosphäre zurückzuführen ist und dass dieses Gas hauptsächlich aus Schornsteinen und Auspuffrohren kommt - darüber herrscht in der Wissenschaft fast Konsens.

          Sogar ein MIT-Professor

          Fast. Es gibt durchaus einige Akademiker mit Publikationen in begutachteten Journalen, die, wie Willie Soon, nicht an den menschengemachten Klimawandel glauben. Der prominenteste ist sicher der inzwischen emeritierte Meteorologe Richard Lindzen vom Massachusetts Institute of Technology. Er wurde mit Arbeiten über Atmosphärendynamik berühmt, bevor er sich als MIT-Professor in die Klimadebatte einschaltete und sich auf die Seite der Skeptiker schlug.

          Als Klimawandelkritiker gilt auch Ross McKitrick von der University of Guelph in Kanada. Gemeinsam mit dem ebenfalls kanadischen Bergbaumanager Steven McIntyre kritisierte er 2003 in der Zeitschrift Energy & Environment das Zustandekommen einer Temperaturkurve, die wegen ihres steilen Anstiegs im 20. Jahrhundert - nach 1600 Jahren flachen Verlaufs - mit einem Hockeyschläger verglichen wurde. Durch den Abdruck in der Kurzfassung des damaligen IPCC-Berichts war sie zur medialen Ikone des menschengemachten Klimawandels geworden.

          Schwankende Strahlung

          Prominent ist auch Jan Veizer, emeritierter Professor in Ottawa und Bochum. 1992 erhielt er den Leibniz-Preis, eine der höchstdotierten Ehrungen für Wissenschaftler in Deutschland, für seine Leistungen in der Chemie der Sedimente. Im Jahr 2000 veröffentlichte er in Nature eine Arbeit, die Hinweise darauf fand, dass CO2-Pegel und Klimawandel in erdgeschichtlicher Vergangenheit nicht so eng zusammenhängen könnten wie bis dahin gedacht. Bei den Klimaskeptikern beliebt wurde Veizer 2003, als er zusammen mit dem Israeli Nir Shaviv eine Arbeit im Magazin GSA Today der Geological Society of America veröffentlichte und darin Klimawandelereignisse mit Schwankungen in der kosmischen Strahlung erklärte.

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