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Klimawandel : Die Zeugen der Zweifler

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Einen solchen Zusammenhang vermuteten Eigil Friis-Christensen und Hendrik Svensmark vom Dänischen Raumfahrtinstitut in Kopenhagen bereits 1997. Demnach fördern kosmische Teilchen in der Atmosphäre die Bildung von Wolken, die wiederum Sonnenlicht ins All reflektieren und damit eine kühlende Wirkung auf das Klima ausüben. Svensmark versuchte den Mechanismus experimentell nachzuweisen und regte sogar eine große Versuchsanlage, das Projekt „Cloud“, am europäischen Forschungszentrum Cern an.

Auch Astrophysiker dürfen sich zum Klima äußern

Auch Nicola Scafetta, zeitweilig Lehrbeauftragter an der Duke University im Bundesstaat North Carolina, führt die Erwärmung des 20. Jahrhunderts auf kosmische Einflüsse zurück. Bei ihm sind es allerdings wiederkehrende Konstellationen von Jupiter und Saturn, deren Zyklen er in der Klimageschichte der Erde wiederzufinden glaubt. Möglicherweise, so Scafetta, würden die beiden großen Planeten damit Schwingungen im Sonneninneren anregen, die auf die Sonnenleuchtkraft und damit auf das irdische Klima wirken.

Nun haben die genannten Forscher natürlich nicht deswegen unrecht, weil sie eine so kleine Minderheit sind. Auffällig ist allerdings, dass viele von ihnen gar nicht aus der Klima- oder Atmosphärenforschung kommen. Scafetta und McKitrick sind Statistiker, Letzterer als solcher auch sehr angesehen und Professor an einer Wirtschaftsfakultät. Shaviv und Baliunas sind Astrophysiker, Veizer kommt aus der Geochemie. Willie Soon schließlich hat seinen Doktor als Raumfahrtingenieur gemacht.

„Keine überzeugenden Wissenschaftler“

Bedenklicher aber ist, dass die klimaskeptischen Arbeiten dieser Wissenschaftler bereits bei ihrer Veröffentlichung wiederum auf die größte Skepsis der Fachkollegen stießen. Lindzen wird zwar immer noch geachtet, seine die Klimaerwärmung betreffenden Arbeiten waren aber oft schon bald nach ihrem Erscheinen widerlegt. Die Studie von Veizer und Shaviv konnte nur in einem sehr nachgeordneten Blatt erscheinen und wurde in Fachkreisen nie ernst genommen. Svensmark propagiert weiter seine Idee, ist aber inzwischen aus dem „Cloud“-Projekt am Cern ausgeschieden - nach Auskunft eines anderen Cloud-Forschers im Zerwürfnis. Die Publikation der Arbeit von Soon und Baliunas schließlich wurde bald als ein Fall krassen Versagens des Begutachtungsprozesses gesehen und führte zum Austritt des halben Editorial Board der Zeitschrift Climate Research, was nicht verhindert hat, dass die Arbeit noch 2012 in einem weitverbreiteten Sachbuch zitiert wurde.

So sind die Mehrheitsverhältnisse in der Klimaforschung also kaum bloßes Ergebnis eines forschungssoziologischen Herdentriebs oder einer Weltverschwörung der Klimatologen zur Sicherung ihrer Forschungsgelder. „Bei den Skeptikern sehe ich keine überzeugenden Wissenschaftler“, sagt etwa der Klimastatistiker Hans von Storch vom Geesthachter Institut für Küstenforschung der Helmholtz-Gemeinschaft. „Man generiert dort legitime Fragen, aber in Bezug auf Antworten ist es eher dünn.“ Und Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, antwortet auf die Frage nach Willie Soons Arbeiten lapidar: „Es gab für mich nie einen Grund, sie zu lesen; sie waren einfach nicht bedeutend genug.“

Auf einer anderen Ebene macht Marotzke der Fall Willie Soon aber doch Sorgen. „Nicht anzugeben, wer einem die Forschung finanziert, geht überhaupt nicht“, sagt er. Doch nun würden in Amerika Politiker wie Raúl Grijalva, ein Abgeordneter der Demokratischen Partei aus Arizona, anfangen, Gelehrte wie etwa den Politologen Roger Pielke Jr. von der Universitiy of Colorado zu verdächtigen, auf der Gehaltsliste der Ölkonzerne zu stehen, weil der sich kritisch mit politisch motiviertem Klima-Alarmismus im Forschungsbetrieb auseinandergesetzt hat. „Wenn Politiker jeglicher Couleur auf breiter Front mit Misstrauen gegen Wissenschaftler vorgehen, gefährden sie die Wissenschaftsfreiheit“, sagt Marotzke. „Wissenschaft lebt davon, dass wir von der Wahrhaftigkeit dessen ausgehen können, was uns mitgeteilt wird.“

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