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Interview zu Klimakosten : „Klimaschutz ist mit dem bestehenden kapitalistischen System erreichbar“

Brennende Eiche in Kalifornien mit Sternschnuppe im Hintergrund. Extreme Trockenheit und Winde fachen die Feuer in vielen Weltgegenden an. Bild: dpa

Ein ungebremster Klimawandel wird richtig teuer, die Klimaziele von Paris dagegen werden die Weltwirtschaft maximal schonen. Das zeigt das Computermodell eines Nobelpreisträgers. Ein Gespräch mit dem deutschen Studienleiter.

          6 Min.

          Herr Levermann, Sie haben mit Ihrer Studie in „Nature Communications“ jüngst ein neues Klimamodell vorgestellt und damit praktisch beide Pole im Klimastreit gehörig unter Druck gesetzt. Einerseits haben sie herausgefunden, dass sich Klimaschutz rechnet und bei Erreichen des Pariser Klimaziels von maximal zwei Grad Erwärmung tatsächlich die geringsten Kosten für die Weltwirtschaft entstehen. Andererseits haben Sie zusammen mit Zusammen mit Nicole Glanemann und Sven Willner gezeigt, dass der Kapitalismus dem Ganzen nicht im Wege steht, sondern sogar gebraucht wird. Das klingt nach einer magischen Formel?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Modell ist keine Magie, sondern eigentlich eine ganz simple Gleichung, ein Standardwachstumsmodell. Klassische Ökonomie sozusagen. Die Computersimulation sucht nach dem optimalen Pfad, der der Gesellschaft den größten ökonomischen Wohlstand ermöglicht. Der Entwickler des Modells William Nordhaus hat vor vielen Jahren den Klimaschutz ebenso wie die Klimaschäden in ein klassisches Wachstumsmodell eingebaut. Und der Klimaschutz kostet Geld, etwa für den Umbau der Infrastruktur, für neue Technologien. Da gilt zum einen: Je mehr ich die Treibhausgas-Emissionen vermeiden will, desto stärker bremse ich zunächst mein Wirtschaftswachstum.

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