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Klimaforschung : Mit Plankton den Monsun erforschen

  • -Aktualisiert am

Der südasiatische Monsun teilt das Jahr in zwei ausgeprägte Phasen sehr trockener Montate und Zeiten extremen Niederschlags, hier in Indien, Dharmsala. Bild: dpa

Der Monsun beeinflusst das Leben von Milliarden von Menschen. Wie dieses Klimaphänomen auf den Klimawandel reagiert, war bislang eine offene Frage. Erste Antworten ermöglichte nun ein winziger Meeresbewohner.

          Kaum ein anderes Klimaphänomen beeinflusst Menschen so stark wie der Monsun. Zur Mitte dieses Jahrhunderts wird erwartet, dass allein auf dem indischen Subkontinent etwa fünf Milliarden Menschen im unmittelbaren Einfluss des Monsuns leben werden. Dort teilt der südasiatische Monsun das Jahr regelmäßig in zwei ausgeprägte Phasen von sehr trockenen Monaten und Zeiten extremen Niederschlags. Allerdings ist es Klimatologen bisher nicht gelungen, mögliche von der Erderwärmung ausgelöste Veränderungen in den asiatischen Monsunsystemen in Klimamodellen zu berechnen. Forscher des Geomar in Kiel haben nun jene Variationen analysiert, denen der Niederschlag im indischen Monsun in den Wechseln von Eis- und Warmzeiten während der vergangenen eine Million Jahre unterlag. Dabei kamen sie zu unerwarteten Ergebnissen.

          Bisher beruhten die Untersuchungen der langzeitigen Veränderungen im südasiatischen Monsun im Wesentlichen auf zwei Datensätzen. So enthalten Bohrkerne aus den Sedimenten des Arabischen Meeres Aufschlüsse über die Variation der Stärke der Monsunwinde. Gleichzeitig ließ sich aus Untersuchungen von Tropfsteinen aus Kalksteinhöhlen im Westen Chinas die Temperaturgeschichte Asiens der vergangenen Millionen Jahre rekonstruieren. Allerdings fehlten bisher aber Informationen darüber, wie die Monsunniederschläge auf das Auf und Ab der Eiszeiten der Nordhalbkugel reagierten.

          Jedes Jahr sorgt der Monsun zwischen Juni und September für schwere Regenfälle und starke Winde, hier im indischen Ahmadabad.

          Diese Informationen haben nun Geomar-Forscher um Daniel Gebregiorgis und Martin Frank in Bohrkernen von Sedimenten vom Meeresboden im östlichen Golf von Bengalen entdeckt. Diese Sedimentproben, die im Rahmen des Internationalen Ozeanbohrprogramms erbohrt wurden, enthalten verschiedene planktonische Foraminiferen, deren winzige Kalkschalen empfindlich auf die Salzkonzentration im Meerwasser reagieren. Gibt es viel Niederschlag, sinkt die Salzkonzentration in den oberen Meeresschichten, in denen diese Tierchen als Plankton im Wasser schweben. Wie die Forschergruppe nun in „Nature Communications“  schreibt, zeigte die Analyse der Einzeller, dass es in den vergangenen eine Million Jahren auf der Höhe der Eiszeiten deutlich weniger Monsunregen gab als während der Warmzeiten.

          Diese Veränderungen in den Niederschlägen hängen aber weniger mit den Klimaschwankungen auf der Nordhalbkugel zusammen. Vielmehr sind sie an langfristige Veränderungen in den Wettersystemen südlich des Äquators gekoppelt. Wenn es dort wärmer wurde, gelangte von dort mehr Luftfeuchtigkeit in die tropischen Gegenden der Nordhalbkugel. Diese Feuchte führte dann dazu, dass der indische Monsun erheblich stärkeren Niederschlag brachte. Ein solcher Zusammenhang blieb bisher in Klimamodellen unberücksichtigt.

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