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Katastrophenforschung : Fatale Erdbeben

  • -Aktualisiert am

Spuren der Verwüstung: Auch zwei Jahre nach dem Tsunami leidet Kesenuma noch unter den Folgen der Katastrophe. Bild: AP/dpa

Wie hoch ist das Risiko, im 21. Jahrhundert das Opfer eines Erdbebens zu werden? Zwei amerikanische Geologen haben die Zahl der möglichen Opfer berechnet.

          Fast jedem werden noch die erschütternden Bilder des verheerenden Erdbebens in Haiti im Jahre 2010 in Erinnerung sein, bei dem mehr als 220 000 Menschen ums Leben kamen. Ähnlich hoch war die Zahl der Todesopfer infolge des Erdbebens vor der Küste von Sumatra am Zweiten Weihnachtstag 2004, wobei der auf das Beben folgende Tsunami die meisten Menschenleben forderte. Bei zwei Beben im pakistanischen Teil von Kaschmir 2005 und in der chinesischen Provinz Seschuan drei Jahre später kamen jeweils mehr als 87 000 Menschen ums Leben. Insgesamt starben im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts fast 700 000 Menschen als Folge von Erdbeben. Damit gehört diese Dekade zu den tödlichsten Zeiträumen, seit es weltweite seismische Überwachung gibt.

          Zwei Forscher des Geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten im kalifornischen Menlo Park haben nun diesen traurigen Rekord zum Anlass genommen, das Risiko zu analysieren, Opfer bei einem Erdbeben zu werden. Thomas Holzer und James Savage haben dazu mehrere Erdbebenkataloge statistisch ausgewertet, in denen jeweils für jedes Beben die Zahl der Todesopfer angegeben ist. Wie die beiden Forscher in der Zeitschrift „Earthquake Spectra“ (Bd. 29. S. 155) berichten, gab es im zwanzigsten Jahrhundert lediglich vier Erdbeben mit jeweils mehr als 100 000 Todesopfern. Bei sieben seismischen Ereignissen kamen jeweils mehr als 50 000 Menschen ums Leben.

          Ungebrochene Stadtflucht

          Um die mögliche Zahl der Todesopfer bei Erdbebenkatastrophen für das 21. Jahrhundert abschätzen zu können, verglichen die beiden Forscher ihre Statistik mit der wachsenden Zahl der Erdbevölkerung. Außerdem berücksichtigten sie den Trend, dass immer mehr Menschen in Groß- und Megastädten wohnen, die entweder in Erdbebenzonen oder an Küsten liegen, die von Tsunamis heimgesucht werden können.

          Düstere Aussichten

          Die Hochrechnung für das laufende Jahrhundert hat ergeben, dass sich im Vergleich zum zwanzigsten Jahrhundert die Zahl der Erdbeben mit mehr als 50 000 Todesopfern auf zwanzig verdreifachen und die Zahl der Beben mit mehr als 100 000 Opfern auf sieben verdoppeln wird. Insgesamt rechnen Holzer und Savage damit, dass in diesem Jahrhundert weltweit zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Menschen das Opfer von Erdbeben werden könnten.

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