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Fracking und Energiesicherheit : Revival einer umstrittenen Technologie?

  • -Aktualisiert am

Der Bohrturm einer „Fracking“-Anlage in in Tunkhannock, Pennsylvania. Bild: dpa

In der Debatte um Ersatz für russisches Gas ist nun eine Technologie in den Fokus gerückt, die hierzulande verboten ist: Das unkonventionelle Fracking.

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          Der Begriff „Fracking“ fasst die englische Bezeichnung zusammen und meint das Aufbrechen (englisch to fracture) des Bodens mit Wasserdruck. Dazu wird beim Fracking von dem sehr niedrig durchlässigen Gestein ein Gemisch aus Wasser, Sand und verschiedenen Chemikalien in die Zielformation gepumpt. Es entstehen Risse, durch die das im Boden vorhandene Gas entweichen kann. Die Gesteinsart des Bodens bestimmt, ob und wie Fracking angewandt wird.

          Konventionelle Lagerstätten von Gas befinden sich etwa in porösem Sandstein. Das Gas kann leichter zu den Förderbohrungen strömen und weniger Bohrungen sind nötig. Bei unkonventionellen Lagerstätten ist das Gas in dichtem Gestein eingeschlossen. Damit das Gas gefördert werden kann, müssen Wegsamkeiten geschaffen werden. Diese Lagerstätten befinden sich beispielsweise in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein. Entsprechend dieser Lagerstätten heißt dieses Verfahren unkonventionelles Fracking.

          „Das sogenannte konventionelle Fracking bei der Erdgasförderung aus Sandgestein wird in Deutschland schon seit vielen Jahren angewendet und ist langjährig erprobt“, sagt Prof. Dr. Charlotte Krawczyk. Sie ist Geophysikerin am Deutschen Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam und Vorsitzende der Expertenkommission Fracking, die 2018 von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Seit 1961 fördern in Deutschland Unternehmen Gas durch konventionelles Fracking. Auch wenn seit 2012 nicht mehr gebohrt wurde, lässt sich aus den Bohrungen heute noch Gas gewinnen.

          Das unkonventionelle Fracking dagegen ist seit 2017 in Deutschland verboten. An diesem Verbot rütteln mit Blick auf den Herbst die ersten Politiker und Politkerinnen. Laut einer Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 2016 lagern in unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefergestein in Deutschland zwischen 320 Milliarden und 2030 Milliarden Kubikmeter Gas. Deutschland verbraucht aktuell jährlich etwa 90 Milliarden Kubikmeter Gas. „Wir könnten bestenfalls den Gasbedarf von Deutschland rein theoretisch für fast 25 Jahre decken”, sagt Prof. Dr. Moh’d M. Amro, Ingenieur an der Bergakademie Freiberg. Laut BGR liegen die größten Vorkommen von Schiefergas in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und auf Rügen.

          Wie sicher ist das Fracking-Verfahren?

          Doch das Moratorium von 2017 fußte auf vielfältigen Bedenken, was die Risiken von Fracking betrifft. Das Umweltbundesamt nennt in einem Gutachten aus dem Jahr 2014 verschiedene Gefährdungspotenziale: So könnten die beim Fracking eingesetzten Chemikalien ins Grundwasser gelangen, die Bohrungen könnten Erdbeben hervorrufen und aus den Bohrlöchern kann das besonders klimaschädliche Gas Methan entweichen. Flankiert wurde das von einer öffentlichen Bewegung gegen Fracking, deren Auslöser Unfälle beim Fracking in den USA waren. So sind dort etwa Chemikalien aus der Frackflüssigkeit ins Grundwasser gelangt. Zusätzlich sank das Interesse seitens der Industrie auch wegen der sinkenden Rohölpreise und der damit einhergehenden sinkenden Gewinnerwartungen. Durch das Moratorium – umgesetzt im Wasserhaushaltsgesetz § 13a – wurden die damals angedachten Probebohrungen gestoppt, um die Risiken ausführlicher abzuwägen.

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