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Seismische Aktivität : In Deutschland sind schwere Erdbeben möglich

  • -Aktualisiert am

Verrückt: Spuren im Boden zeigen die Wucht des Bebens. Bild: Christoph Grützner

Spuren lassen darauf schließen, dass die Gefahr eines starken Erdbebens im Rheinland größer ist als bislang angenommen.

          Die Gefahr, dass es im Rheinland zu einem starken Erdbeben kommt, ist größer als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Paläoseismologe Christoph Grützner von der RWTH Aachen gemeinsam mit zwei Forscherkollegen aus Aachen und Mainz in einer nun in der Fachzeitschrift „Geophysical Journal International“ veröffentlichten Studie.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Grützner und seine Kollegen waren bei Grabungen im Jahr 2010 während des Autobahnbaus zwischen Aachen und Köln auf Spuren eines starken Erdbebens gestoßen. In weniger als einem Meter Tiefe konnten die Wissenschaftler versetzte und verformte Schichten dokumentieren, die nach ihrer Einschätzung nur von einem Beben der Stärke 6,4 bis 7,0 verursacht worden sein können.

          „Wir konnten zeigen, dass es auch lange nach dem Ende der Eiszeit sehr starke Beben im Rheinland gab“, sagte Grützner dem Portal „Spiegel Online“. „Das ist neu und spricht dafür, dass die Erdbebentätigkeit zumindest nicht stark abnimmt. Also: Auch jetzt noch sind sehr starke Beben möglich.“ Wenn man wisse, dass es in der Vergangenheit schwere Beben gab, dann heiße das in den meisten Fällen, dass es auch in Zukunft zu solchen Beben kommen werde. Über die Frage, ob es in Deutschland überhaupt zu Beben von 7,0 kommen könne, sei heiß diskutiert worden. „Unsere Studie gibt denen Aufwind, die das für möglich halten.“

          Das an der sogenannten Rurrand-Verwerfung entdeckte Beben konnten Grützner und seine Kollegen auf einen Zeitraum vor 2500 bis 9000 Jahren eingrenzen. Zwar vergingen zwischen zwei so starken Beben an ein und derselben Verwerfung in der Regel mehrere 10.000 Jahre. Doch gebe es in der Niederrheinischen Bucht viele andere Störungen, so dass sich das Intervall verkürze. Die Störungen im Dreieck Aachen-Nimwegen-Köln seien vermutlich alle aktiv, doch sei es schwer zu sagen, von welcher das größte Risiko ausgehe, sagte Grützner „Spiegel Online“. „Dasselbe gilt für Verwerfungen entlang des Oberrheingrabens. Man muss bei allen mit Erdbeben rechnen.“

          Die Niederrheinische Bucht zählt zu den Gebieten mit besonders hoher seismischer Aktivität. Im April 1992 war es im niederländischen Roermond zu einem Beben mit der Magnitude 5,8 gekommen. Damals wurden 30 Personen verletzt. Es entstand ein Schaden in Höhe von 125 Millionen Euro, davon 40 Millionen Euro auf deutscher Seite. Seit Mai 2015 gibt es in Nordrhein-Westfalen ein neues Erdbebenalarmsystem, mit dem es möglich sein soll, Informationen zu Ort, Stärke und den mutmaßlichen Schadensräumen innerhalb von sieben Minuten zu sammeln und auszuwerten.

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