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Wie Skeptiker überzeugen? : Im Spiel geht viel, sogar klimafreundliches Verhalten

Heiße Luft beim Weltklimagipfel? Dem wird beim World-Climate-Spiel jetzt aktiv vorgebeugt. Bild: dpa

Klimaskeptiker sind unbelehrbar? Nicht in der Computersimulation. Eine Glosse über den Erfolg eines Spiels, das auch hartgesottene Gegner einer forschen Weltklimapolitik weich werden lässt.

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          Oft heißt es, das Spiel zeige den Charakter. Wenn dem so ist, gibt es für empfindliche Gemüter im Netz viele gute Gründe, sich in die vordigitale Zeit zurückzuwünschen. Einer davon betrifft den oft wenig spielerischen Kern des sozialen Miteinanders. Gaming-Sprüche etwa sind berüchtigt, vornehm sind sie selten. Auch wenn einige durchaus lyrische Ambitionen erkennen lassen, füllt die große Masse der dokumentierten Aussprüche die Websites mit Verweisen auf Körperteile und Handlungen, die kaum als jugendfrei zu werten sind. Aber hey, Alter, jeder inspiriert sich, wie er es braucht, oder? You only live once, heißt das heute. Es gibt ja sehr wohl auch die, die sich beim „Grundrechte-Jogging“ austoben. Politik-Simulationsspiele sind überhaupt cool.

          42.000 Gamer spielen Klimapolitik

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Eine ansehnliche Community hat nach drei Jahren auch das Rollenspiel „World Climate“: zweiundvierzigtausend Gamer in achtundsiebzig Ländern. In Deutschland spielen ganze Klassen der Mittelstufe. Die Spieler werden im Spiel zu UN-Unterhändlern, werden Teil einer Delegation und handeln Klimaverträge aus oder bieten für den Klimafonds. Das Computermodell „C-Roads“, das dabei zum Einsatz kommt, soll schon zur Übungsplattform der wahren UN-Delegierten geworden sein. Zocken, bis der Knoten platzt. Ob’s wirkt, wird man sehen, demnächst in Kattowitz. Für die Schöpfer von World Climate, so ist jetzt in der Zwischenbilanz in „Plos One“ zu lesen, könnte das Spiel den „Schlüssel“ liefern zur Lösung der Klimakrise.

          Die Erweckung der Klimaskeptiker

          Selbsterfahrung ist das Zauberwort. 81 Prozent der Teilnehmer, darunter auch eine ganze Anzahl hartgesottener Kapitalismuspuristen und Klimaskeptiker, spürten in einer Stichprobenanalyse von zweitausend Spielern eine gesteigerte Motivation, mehr für den Klimaschutz zu investieren. Und der Grund? Die Mitspieler erfahren durch die Klimasimulation praktisch am eigenen Leib, wenn auch am virtuellen Leib, wie ihr Verhalten als politische Verhandler den Kurs der Erderwärmung ändert. Keiner fühlt sich mehr einfach nur informiert und ausgeliefert. Der Klimawandel wird zum selbstbestimmten Schicksal. Dort die große planetare Krise, hier der kleine wehrhafte Mensch, ein fast schon emotionaler, jedenfalls sehr bewegender Moment. Friedrich Schiller wusste das ganz ohne digitales Brimborium: Der Mensch ist nur da ganz bei sich, wo er spielt.

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