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Hurrikan „Katrina“ : Die vorhergesagte Katastrophe

  • -Aktualisiert am

Der Sturm auf seinem Weg zum Mississippi-Delta Bild: AP

Hydrologen und Bauingenieure rechneten seit langem mit der Überflutung von New Orleans, der lebensfrohen Stadt, die - im geologischen Sinne - auf einem wassergetränkten Torfmoor errichtet wurde.

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          Es gibt wohl kaum eine Naturkatastrophe, die derart genau in allen Details vorhergesagt wurde, wie die gegenwärtige Überflutung von New Orleans. In mehreren Untersuchungen und zahllosen Computermodellen haben Bauingenieure, Hydrologen, Katastrophenschützer und Forscher an Universitäten schon seit Jahren vor der Gefahr gewarnt, die wie ein Damoklesschwert über der lebensfrohen Großstadt an der Mündung des Mississippi schwebt: Nach einem schweren Hurrikan kann New Orleans wochen- oder monatelang in einer verschmutzten Flut versunken bleiben.

          Ähnlich wie Venedig liegt New Orleans im Delta eines großen Flusses. Während die norditalienische Lagunenstadt auf den vom Po in die Adria verfrachteten „Schlamm der Alpen“ gebaut ist, liegt New Orleans auf den Sedimenten des amerikanischen Kernlandes, also auf Schlick und Schlamm aus nahezu allen nordamerikanischen Gebirgen. Mehr als 10.000 Jahre brauchte der Mississippi seit der letzten Eiszeit, um die in den nördlichen Teilen des Kontinents erodierten Berge in ein weit in den Golf von Mexiko hineinreichendes Flußdelta zu verwandeln.

          Ein wassergetränktes Torfmoor

          Als französische Siedler sich im Jahre 1710 in diesem Gebiet niederlassen wollten, fanden sie in einem nur wenige Kilometer breiten Streifen zwischen dem längsten Fluß Nordamerikas im Süden und dem Lake Pontchartrain im Norden ein kleines Stück höher gelegenes Land. Hier legten sie den Grundstein für das „neue Orleans“. Noch heute ist ebenjene Anhöhe als „French Quarter“ das Herz des Vergnügungsviertels in der Stadt. Allerdings ist das Wort Anhöhe arg übertrieben: Das Mississippi-Delta - und damit auch New Orleans - ist im geologischen Sinne ein wassergetränktes Torfmoor. Überwiegend sind die Torfschichten mehr als 300 Meter dick, ragen aber nur an wenigen Stellen ein paar Meter über den Meeresspiegel hinaus.

          Im Laufe der Zeit beginnt sich der Torf unter seinem eigenen Gewicht zu verdichten. Das wiederum führt zu einer allmählichen Senkung des Gebietes. Dem wiederum wirkt der Mississippi entgegen, in dem er Schlamm und Schlick aus seinem Oberlauf im Delta ablagert. Dabei stellt sich langsam ein Gleichgewicht zwischen Absenkung und Erosion durch das Meer auf der einen Seite und Zufuhr neuer Sedimente durch den Fluß auf der anderen Seite ein. Das Delta bleibt im wesentlichen stabil und kann sogar langsam wachsen.

          Damm von der Pioniereinheit

          Mit der Besiedlung wurde dieses natürliche Gleichgewicht unterbrochen. Weil jeweils im Frühjahr nach der Schneeschmelze, nach großen Regenfällen oder bei Sturmfluten der Mississippi gelegentlich über die Ufer trat, begannen die Franzosen die Siedlung mit Deichen zu schützen. Im Jahre 1879 übernahm das „US Army Corps of Engineers“ - eine mit zivilen Wasserbauprojekten beauftragte Pioniereinheit der Streitkräfte - den Deichbau im Süden Louisianas. Der Hochwasserschutz und die gleichzeitige Verbesserung der Schiffbarkeit des „Old Man River“ sind auch heute noch die Ziele dieser Einrichtung.

          Im Jahre 1910 legten die Pioniere die Grundlage für die Trockenlegung von New Orleans. Das gesamte Stadtgebiet wurde mit einem System von Deichen umgeben. Gegenüber dem Fluß im Süden sind die Deiche inzwischen neun Meter hoch. Zum Lake Pontchartrain im Norden hin wird die Stadt von Deichen geschützt, die nominell knapp sechs Meter hoch sein sollen. Auf Grund der Bodensenkung liegen ihre Kronen an vielen Stellen aber nur noch fünf Meter über dem Wasserstand des „Lake“. Im strengen Sinne ist er überhaupt kein See, sondern eine sehr flache Bucht des Golfs von Mexiko, mit dem er östlich der Stadt durch eine Meerenge verbunden ist.

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