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Höhlenforscher : Extremisten der Erkenntnis

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Ein echtes Riesending: Die Karsthöhle im Untersberg bei Berchtesgaden gilt als längste und tiefste Höhle in Deutschland. Bild: ZDF/Wolfgang Zillig

Ein schwerverletzter Höhlenforscher muss unter großem Aufwand geborgen werden. Dennoch darf sich das riskante Hobby „Forschung“ nennen. Denn Geographen, Tiefbauingenieure und Biologen sind auf sie angewiesen.

          Oberflächlich betrachtet, ist so eine Höhle kein Ort für Menschen. Dutzende bis Hunderte Meter unter der Erde, in Kälte, Enge, Finsternis - wer sich dort freiwillig und noch dazu in seiner Freizeit hinbegibt, der gilt schnell als leichtsinniger Adrenalinjunkie, dem das Risiko nicht groß genug sein kann. Im Fall des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser in der bayerischen Riesending-Höhle blieben Häme und böse Kommentare deshalb nicht aus. Was treibt der auch da unten! Und was das alles wieder kostet!

          Natürlich steckt in jedem Abstieg das Abenteuer, lauert in jeder Höhle Gefahr. Und richtig, Menschen wie Westhauser möchten die letzten weißen Flecken der Erde entdecken, möchten vordringen in eine Welt, in der zuvor noch niemand war. Höhlen sind mythische Orte, einst vermutete man dort Drachen, Trolle oder Berggeister. Aber unseren altsteinzeitlichen Vorfahren boten sie auch Schutz und Behausung. Und kein Kind, das sich nicht gerne eine baut, wenn auch nur aus Matratzen.

          Wenn Höhlenforscher von ihrer Leidenschaft erzählen, bemühen sie gerne den Vergleich mit der Erforschung des Weltalls. „Die Höhlenforschung ist die Raumfahrt des kleinen Mannes“, sagen sie dann. Und ohne ihre Neugier, ohne den Pionier- und Entdeckergeist wäre das Wissen über die Vorgänge unter uns tatsächlich gering.

          Erforschung unbekannter Lebensräume und Kicksuche

          Die meisten natürlichen Höhlen entstehen im Kalkgestein. Wo sie heute in Süddeutschland zum Beispiel zu finden sind, befand sich zur Jurazeit ein Meer. Nachdem es verschwand, blieben Kalkablagerungen zurück wie auf der Schwäbischen Alb. Regnet es dort nun, verbindet sich das Wasser mit dem Kohlendioxid im Boden zur Kohlensäure. Diese frisst sich in das Kalkgestein, und im Laufe der Zeit entstehen unterirdische Kavernen.

          Als weltweit tiefste gilt die abchasische Voronya-Höhle an der Südflanke des Kaukasus: Sie führt 2191 Meter hinab. Aber schon die deutschen Karsthöhlen sind eine sportliche Herausforderung, die selbstverständlich auch als solche fasziniert.

          „Wenn ich in eine Höhle steige, habe ich immer einen Forschungsauftrag“, erklärt allerdings Andreas Kücha aus Heidenheim. Er zählt zu den erfahrensten Höhlentauchern Deutschlands und sagt, sein Antrieb sei die Erforschung unbekannter Lebensräume. Das sei bei den meisten seiner Kollegen nicht anders, auch wenn es sicher den einen oder anderen gebe, der vor allem den Kick suche.

          „Man baut eine Beziehung zu einer Höhle auf“

          Kücha ist in der schwäbischen Blauhöhle immer wieder auf der Suche nach neuen Passagen. Hat er eine aufgespürt, dokumentiert, vermisst und kartographiert er sie. „Man baut eine Beziehung zu einer Höhle auf“, sagt er, mit der Zeit lerne man sie immer besser kennen. Er hat in der Blauhöhle schon eine völlig neue Lebensform entdeckt, als „Poolfinger“ bezeichnete Bakterien, für die sich die Nasa brennend interessiert.

          Höhlenbegeisterte wie Andreas Kücha sind der verlängerte Arm der Wissenschaft. In deren Auftrag robben sie durch den Schlamm, zwängen sich durch enge Felsschlitze und tauchen mit modernster, teils selbstentwickelter Ausrüstung in unterirdische Seen. Denn sie haben das Know-How, die Technik und die Erfahrung, um an Orte vorzudringen, an die universitär bestallte Biologen, Geologen oder Hydrologen kaum gelangen könnten. Höhlenforschung ist keine akademische Disziplin, sie wird zumindest in Deutschland fast ausschließlich als Freizeitbeschäftigung betrieben. Kücha etwa ist gelernter Schreiner.

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