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Dürre in der Sierra Nevada : Der verflixte Hochdruckrücken

  • -Aktualisiert am

Die einsetzende Schneeschmelze befüllt die Talsperren der Sierra Nevada, die Wasserversorgung der Landwirte bleibt aber kritisch. Bild: AP

Seit fünf Jahren hat Kalifornien mit einer ungewöhnlich starken Dürre zu kämpfen. Grund ist eine äußerst stabile Wetterlage über dem Ostpazifik.

          Obwohl es in den vergangenen Wochen in Kalifornien zum Teil recht stark geregnet hat, ist die nun seit fünf Jahren anhaltende extreme Dürre im bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaat noch nicht zu Ende. Mit der gerade einsetzenden Schneeschmelze beginnen sich zwar die vielen Talsperren in der Sierra Nevada, dem mächtigen Gebirgszug im Osten des Staates, allmählich wieder zu füllen. Es können aber längst noch nicht alle Bedürfnisse in der Wasserversorgung befriedigt werden.

          So wird die staatliche Wasserverwaltung den von der Bewässerung ihrer Felder abhängigen Landwirten im Zentraltal Kaliforniens in diesem Sommer lediglich 45 Prozent der ihnen zustehenden Wassermenge liefern können. Unterdessen suchen Meteorologen nach den atmosphärischen Ursachen für die Dürre. Besonders unklar ist, warum sich ein Hochdruckrücken über dem Ostpazifik nahe der nordamerikanischen Westküste auf Dauer derart lange halten kann.

          Schmelzwasser versorgt Haushalte und Industrie

          Das Klima Kaliforniens ist durch zwei Jahreszeiten geprägt. In der Trockenzeit zwischen Mai und Oktober fällt nur im äußersten Norden des Staates gelegentlich Niederschlag. Der größte Teil Kaliforniens ist in dieser Zeit durchweg trocken. Das Winterhalbjahr ist dagegen feucht, und im langjährigen Mittel fallen etwa drei Viertel aller Niederschläge in den Monaten Dezember bis März. In den Hochlagen der Sierra Nevada fällt dieser Niederschlag dabei als Schnee.

          Dieses Foto geschossen am 12. Januar 2015 zeigt den schneefreien Tioga-Pass  in der Sierra Nevada unweit des Nationalparks Yosemite.

          Wie wichtig dieser Schneefall ist, zeigt die Tatsache, dass etwa ein Drittel des Wassers, das in Kalifornien in Haushalten, in der Industrie und in der Landwirtschaft verbraucht wird, ursprünglich Schmelzwasser aus dem Gebirge ist. Es wird im Frühjahr in Dutzenden von Stauseen an den Westhängen der Sierra Nevada gesammelt und dann im Sommer durch ein ausgeklügeltes System aus Kanälen und Pipelines im gesamten Bundesstaat verteilt.

          Baumringe verraten das Ausmaß der Dürre

          Nach jüngsten Messungen in der Nähe des Yosemite-Nationalparks beträgt die Schneemenge im nördlichen Teil der Sierra Nevada in diesem Jahr etwa 87 Prozent des langjährigen Mittels. Im vergangenen Winter waren es dagegen lediglich fünf Prozent. Auch das Jahr davor (Winter 2013/14) war von Dürre gekennzeichnet, denn über ganz Kalifornien gemittelt fielen damals nur 34 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags.

          Wie schlimm die gegenwärtige Dürre in historischen Dimensionen ist, stellte kürzlich eine Forschergruppe um Valerie Trouet von der University of Arizona in Tucson fest. Aus der Analyse der Baumringe von Hunderten Blaueichen, einer im Vorgebirge der Sierra Nevada weitverbreiteten Eichenart, hat es seit der Ankunft von Kolumbus in der Neuen Welt noch nie eine derartige Trockenheit in der Sierra Nevada gegeben.

          Hochdruckrücken verantwortlich für Rekorddürre

          Zu ähnlichen Ergebnissen sind jetzt Wissenschaftler um Noah Diffenbaugh von der Stanford University gekommen. Die Gruppe hat alle verfügbaren Ergebnisse von Klima- und Wettermessungen über dem nördlichen Ostpazifik aus den vergangenen 65 Jahren analysiert. Wie Diffenbaugh und seine Kollegen nun in der Online-Zeitschrift „Science Advances“ schreiben, gab es in diesem Zeitraum keinen Abschnitt mit derart stabilen Luftdruckverhältnissen im nördlichen Ostpazifik.

          Eine der Ursachen für die Rekorddürre ist nämlich ein parallel zur kalifornischen Küste verlaufender Hochdruckrücken. In den Sommermonaten sorgt dieser dafür, dass die vom Pazifik herangewehten Tiefdruckgebiete nach Norden abgelenkt werden und sich über den Bundesstaaten Oregon und Washington abregnen. Das beschert Kalifornien seine angenehm trockenen Sommer. Allerdings bricht dieser Rücken im Winter normalerweise zusammen und öffnet somit das Regentor zum Pazifik. Dieser Kollaps blieb aber in den vergangenen Wintern weitgehend aus.

          Deshalb, so die Forscher, wurden in den Dürrejahren auch im Winter die Feuchtigkeit bringenden Tiefdruckgebiete nach Norden abgelenkt. Extrem geringer Niederschlag war die Folge. Wegen des starken El-Niño-Effekts der vergangenen Monate brach dieser Hockdruckrücken allerdings jüngst immer wieder zusammen, und die Westwinde konnten ungehindert Feuchtigkeit nach Kalifornien bringen.

          Warum dieser Hochdruckrücken in den vergangenen fünf Wintern viel stabiler blieb als in den 60 Jahren zuvor, ist Gegenstand intensiver meteorologischer Diskussionen. Eine Reihe von Atmosphärenforschern machen die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik dafür verantwortlich. Sie waren in den vergangenen Jahren im Durchschnitt höher als sonst. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass der stabile Hochdruckrücken vor Kalifornien etwas mit den hohen Temperaturen in der Arktis und der ungewöhnlich geringen Eisbedeckung im Nordpolarmeer zu tun hat. Allerdings ist in beiden Fällen noch völlig unklar, wie es überhaupt zu diesen meteorologischen Fernwirkungen kommen kann.

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