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Massensterben I : Der fatale Einfluss von Kohlendioxid

  • -Aktualisiert am

Beginn des Massensterbens am Ende des Erdaltertums Bild: PaleoFactor/Jurikova et al. (2020)

Das Verbrennen fossiler Energieträger trägt wesentlich zum gegenwärtigen Klimawandel bei. Es könnte aber schon einmal in der Erdgeschichte eine dramatische Wirkung entfaltet haben.

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          Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass das Verbrennen fossiler Energieträger wesentlich zum gegenwärtigen Klimawandel beiträgt. Die vielen drastischen Klimaschwankungen im Laufe der Erdgeschichte wurden bisher in der Fachwelt aber nicht mit der Verbrennung von Kohle oder Öl in Verbindung gebracht. Eine dreiköpfige internationale Forschergruppe behauptet aber nun, vor etwa 252 Millionen Jahren wären in kurzer Zeit so viele fossile Energieträger verbrannt, dass der dadurch ausgelöste Klimawandel zum größten Massensterben von Arten in der Erdgeschichte führte. Der starke Einfluss von Kohlendioxid auf den damaligen abrupten Klimawandel wurde unterdessen unabhängig von einer anderen Forschergruppe bestätigt. Die Veränderungen in der belebten Welt waren damals so gravierend, dass diese Zäsur für Geologen den Übergang vom Erdaltertum zum Erdmittelalter darstellt.

          Die Erdoberfläche sah zur letzten Phase des Erdaltertums, im Perm, wesentlich anders als heute aus. Vor mehr als einer Viertelmilliarde Jahre hingen fast alle Erdteile in einer großen Landmasse, dem Urkontinent Pangäa, zusammen. Er erstreckte sich nahezu kontinuierlich zwischen den beiden Polen. Die andere Erdhälfte war von dem Riesenozean Panthalassa bedeckt. Lediglich in seiner Mitte begann der Kontinent aufzubrechen und ließ die Tethys-See, den Urgroßvater des Mittelmeeres, entstehen. Im heutigen Europa ist die letzte Phase des Perm als Zechstein bekannt. Das Zechsteinmeer, ein flaches Ozeanbecken, erstreckte sich in der heutigen Norddeutschen Tiefebene und der Nordsee. Die großen Salzablagerungen in dieser Gegend entstanden, als dieses Meer verdunstete und eine dicke Salzkruste hinterließ.

          Lebensfreundliche Epoche

          Die Meeresfauna des Perm war ausgesprochen vielseitig. Am Meeresboden lebten Tiere wie die Pflanzen im Regenwald in mehreren Stockwerken. Bis zu einem halben Meter lang wurden die Stämme verschiedener Seelilienarten, die Crinoiden. Sie bildeten gleichsam das Blätterdach für diese benthische Lebensgemeinschaft. In den Etagen darunter lebten Blastoiden, verschiedene Muschel- und Schneckenarten sowie die noch aus dem Kambrium stammenden Trilobiten. Besonders häufig gab es in den flachen Meeren des Perm den „Kupferschieferhering“, dessen erster Fossilfund bereits im Jahre 1546 vom sächsischen Arzt Georgius Agricola beschrieben wurde. Insgesamt lassen Fossilfunde aus dem Perm den Schluss zu, dass diese Epoche äußerst reich an tierischem und pflanzlichem Leben war.

          Das darauffolgende Zeitalter der Trias, vor allem deren erste zehn Millionen Jahre, ist dagegen überaus arm an Fossilien. In Mitteleuropa wird die junge Trias als Epoche des Buntsandstein bezeichnet. Pfälzer Wald, Odenwald, Spessart sowie die Insel Helgoland bestehen weitgehend aus den einförmigen Gesteinen dieser Zeit. Eine ähnlich dramatische Verarmung an Arten haben Geologen auch an den anderen Übergängen vom Perm zur Trias in Südchina, Kaschmir, Pakistan, den südlichen Alpen und in Grönland gefunden. Insgesamt 90 Prozent der Arten von Meereslebewesen und mindestens 70 Prozent der terrestrischen Spezies starben zum Ende des Perm aus, darunter 21 der 27 bekannten Familien von Reptilien sowie 70 Prozent der Familien von Amphibien. Auch etwa die Hälfte aller Insektenarten aus dem Perm überlebte die Zeitenwende nicht.

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