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Das Eis geht, die Kälte kommt : Hexenkessel rund um den Pol

Ein Blizzard erreichte vor wneigen Tagen das Sioux-Reservat „Oceti Sakowin Camp“ in North Dakota. Bild: AFP

Die Polkappen der Erde sind labiler denn je. Tauwetter, Rekordeisschmelze und Wärmestürme sind aktenkundig. Andernorts wüten dafür jetzt Eisstürme aus der Arktis.

          Im amerikanischen Norden ist sie seit Anfang der Woche wieder da: die Angst vor lähmender Kälte und dem Polarwirbel - „#Polarvortex“, trillert es im Twitterkanal. Ein Drittel des Landes, praktisch der gesamte Mittlere Westen und der Nordosten, liegen unter einer Schneedecke, Schneestürme toben, die Temperaturen sollen den Prognosen des nationalen Wetterdienstes in der zweiten Welle zufolge zehn bis dreißig Grad unter dem langjährigen Mittel liegen. Zurück damit auch die Erinnerung an die extreme Kältewelle 2013/14, als ein ungewöhnlicher, stationärer Jetstream zum Höhepunkt Anfang Januar dafür gesorgt hatte, dass wochenlang klirrende Kälte und Schneestürme bis an die Grenze der Südstaaten reichten.

          Rekord-Eisschmelze an den Polen.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Es ist das meteorologische Kontrastprogramm zu den Phänomenen, die seit einigen Wochen an den beiden Polen zu beobachten sind: Wärme und Tauwetter. Die Fjorde von Spitzbergen, um diese Zeit normalerweise längst mit Eis bedeckt, waren den ganzen Monat eisfrei, es regnete, statt zu schneien. Um zehn Grad wärmer als im langjährigen Mittel war es im November am Nordpol, an den antarktischen Schelfeiskanten wurden Anomalien von zwei bis vier Grad plus ermittelt. Was zu dem Ergebnis führte, dass das Meereis an beiden Polen massiv abgenommen hat - so schnell und radikal wie seit Beginn der Satellitenüberwachung nicht. In der Arktis lag die Eisausdehnung um zwei Millionen Quadratkilometer unter dem langjährigen Durchschnitt, in der Antarktis um gut eine Million Quadratkilometer.

          Als Hauptauslöser der Eisminusrekorde haben die Forscher mit dem amerikanischen National Snow and Ice Data Centre an der Spitze nicht etwa die globale Klimaerwärmung ausgemacht, sondern ganz „unterschiedliche atmosphärische und ozeanische Prozesse“. Heißt: Außergewöhnliche meteorologische Phänomene, die in der Konstellation selten auf beiden Hemisphären zusammenkommen.

          So sieht es momentan in einem Umweltaktivisten-Camp im Norden der USA aus, wo man seit Monaten gegen die Pipeline-Pläne der Regierung  protestiert.

          In der Arktis etwa war es eine starke Warmwasserströmung aus dem Atlantik mit den Golfstromausläufern, die bis in den hohen Norden führte - angetrieben von starken Winden zwischen Spitzbergen und Grönland. Seit etwa 2006 werden deutliche Veränderungen der atmosphärischen Zirkulationsmuster beobachtet. Am Südpol haben starke südliche Winde auf breiter Front Warmluft an die Küsten gebracht. Wie Olaf Eisen und Veit Helm vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven im aktuellen „Nature Climate Change“ zeigen, könnten die Warmwinde künftig mehr Schmelzwasser auf dem Schelfeis produzieren und langfristig die antarktischen Eisschilde instabiler machen.

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