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Grönland : „Kalaalit Nunaat“

  • -Aktualisiert am

Nein, kein Blick ins All, sondern auf „Kalaalit Nunaat” Bild: AP

Weißes Eis, blaue Flüsse, leuchtende Seen: Die wahre Schönheit von Grönland, der größten Insel der Welt, erschließt sich aus der Luft. Die Inuit nennen ihre Insel „Kalaalit Nunaat“ - das Land der Menschen.

          Im vergangenen Jahrhundert ist der Meeresspiegel im Durchschnitt um etwa zehn bis zwanzig Zentimeter gestiegen. Das wird zum Teil darauf zurückgeführt, daß sich in diesem Zeitraum die untersten Luftschichten der Erde erwärmt haben. Wärmere Luft heizt wiederum die Ozeane auf. Als Folge davon steigt der Meeresspiegel, ohne daß dem Ozean mehr Wasser zugeführt worden wäre.

          Etwa die Hälfte des gemessenen Anstieges der Pegel wird auf diese temperaturbedingte Ausdehnung zurückgeführt. Zusätzlich sind die Ozeanbecken seit 1900 aber auch voller geworden. Die Erwärmung der Luft führte nämlich zum Schmelzen eines Teiles des bisher in Gletschern und Eisschilden gebundenen Eises.

          92 Prozent des Süßwassers ist mit Eis bedeckt

          Das Volumen des Schmelzwassers macht nach Meinung von Ozeanographen in etwa die andere Hälfte des Meeresspiegelanstieges aus. Weitgehende Unklarheit herrscht jedoch darüber, mit welchen Anteilen Schmelzwasser aus Grönland oder der Antarktis im Detail zu dem Anstieg beitrug und wie sich der Meeresspiegel in Zukunft verhalten wird. Knapp 92 Prozent des Süßwassers auf der Erdoberfläche sind in Eis und Schnee gebunden, der weitaus größte Teil davon in der Antarktis. Im Eispanzer Grönlands stecken nur weniger als etwa acht Prozent des Süßwassers, in den Gletschern der Hochgebirge lediglich knapp ein Prozent. Schon seit Jahrzehnten sind die Glaziologen bemüht, die sogenannte Massenbilanz von Gletschern und Eisschilden zu bestimmen.

          Ein kleines Boot bahnt sich seinen Weg durchs ewige Eis

          Halten sich das Schmelzen des Eises im Sommer und der Zutrag durch Niederschläge im Winter die Waage? Wachsen die Gletscher, oder nehmen sie ab?

          Eindeutige Prognosen sind derzeit möglich

          Vier Forscher, unter ihnen Philippe Huybrechts vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, haben nun in der Zeitschrift „Science“* den Stand der gegenwärtigen Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Massenbilanz des Eises und Anstieg des Meeresspiegels zusammengefaßt. Sie kommen dabei zu dem Schluß, daß derzeit weder die ozeanographischen und glaziologischen Messungen noch die Computersimulationen eindeutige Schlüsse darüber zulassen, wie sich die Massenbilanz in der nahen Zukunft entwickeln und ob Schmelzwasser überhaupt weiterhin zum Anstieg des Meeresspiegels führen wird.

          Nach bisherigen Modellen, so schreiben die Autoren, würde im kommenden Jahrhundert der Niederschlag in der Antarktis zunehmen. Das führt dazu, daß dort mehr Süßwasser als bisher in Eis gebunden wird, was wiederum ein Sinken des Meeresspiegels zur Folge hätte. In Grönland hingegen wird mit einem weiteren Schmelzen des Eises vor allem in den Küstenregionen gerechnet - was wiederum zu einem Anstieg der Pegel führen würde. Beide Beträge halten sich aber innerhalb ihrer jeweiligen Fehlergrenzen die Waage.

          Grönland:

          Auf Landkarten wird Grönland meist nur als große weiße Fläche dargestellt. Erst aus der Luft erschließen sich Vielfalt und Schönheit dieser grenzenlos weiten Landschaft. Da gibt es zahllose tiefe Risse im Eis, Spalten und Gräben, blaue Flüsse und leuchtende Seen.

          Ganz vom Eis befreit sind aber nur schmale Streifen entlang der Küsten. Etwa 85 Prozent der Fläche Grönlands ist von Eis bedeckt, das teilweise bis zu 3.200 Meter dick ist und sich langsam bewegt: Die Eisdecke wird von der Mitte der Insel an die Ränder gedrückt. Riesige Gletscher schieben sich langsam zwischen Bergrücken voran, bis sie abbrechen und als Eisberge in die Fjorde gleiten.

          Daß die gewaltige Eisdecke dünner wird, beeinflußt auch das Leben der rund 56.000 Bewohner von Grönland, die zumeist dem Volk der Inuit angehören und ihre Insel „Kalaalit Nunaat“ nennen, das Land der Menschen. Die zu Dänemark gehörende größte Insel der Welt ist mit ihren 2,2 Millionen Quadratkilometern größer als Deutschland, Frankreich, Spanien, Schweden und Großbritannien zusammen.

          Die eisfreien Zonen erstrecken sich auf etwa 340.000 Quadratkilometer. Zwischen der Süd- und der Nordspitze der Insel liegen 2.670 Kilometer. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 40.000 Kilometern - das ist etwa die Länge des Äquators.

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