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Begehrte Rohstoffe : Goldrausch in der Tiefsee

  • Aktualisiert am

Das Forschungsschiff Sonne auf rauher See Bild: BGR

Deutsche Geoforscher haben große Mengen an wichtigen Metallen auf dem Grund des indischen Ozeans aufgespürt. Doch wer wird sie schürfen und lohnt der Aufwand? Ein Gespräch mit dem Geoforscher Ulrich Schwarz-Schampera von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

          Herr Schwarz-Schampera, was sind Metallsulfide, und wie entstehen sie?

          Metalle treten in der Natur in Schwefelverbindungen auf – als „Metallsulfide“. Sie bilden sich am Meeresboden, wenn Meerwasser Zugang in die ozeanische Erdkruste bekommt: durch Risse hindurch, die etwa in den Spreizungszonen mittelozeanischer Rücken auftreten. Dort reißt der Ozeanboden auf, neuer Meeresboden wird erzeugt. Vulkanische Wärme und Meerwasser erzeugen dann eine hydrothermale Lösung, die Metalle aus dem Gestein herauslöst und am Meeresboden als Metallsulfide abscheidet.

          Wie sucht man nach untermeerischen Metallsulfiden?

          Das Entscheidende ist die Kartierung des Meeresbodens. Wenn tektonische Risse zeitgleich mit vulkanischen Hügeln auftreten, weiß man: Es gibt viel Wärme und einen Zugang für Meerwasser in die Erdkruste. Um das Gebiet einzugrenzen, nutzen wir dann unseren „Schnüffelschlitten“, der beispielsweise Temperatur, Salzgehalt und Partikelanomalien misst. Wie ein Jo-Jo ziehen wir das Stahlgerüst vom Meeresboden ANTWORT: auf und ab, kartieren die untersten 400 Meter der Wassersäule und kategorisieren Gebiete, die Sulfide bilden könnten. Schließlich schauen wir mit einer Kamera am Meeresboden, ob etwas mineralisiert ist.

          Ulrich Schwarz-Schampera

          Was haben Sie entdeckt?

          Wir haben die von der Spreizungszone am weitesten entfernten vorkommenden Sulfidvorkommen gefunden, die bisher bekannt sind, 14 Kilometer entfernt von der aktiven Spreizungszone. Bisher dachte jeder, dass so weit weg nichts mehr zu erwarten sei. Die Vorkommen in 2,5 Kilometer Tiefe gehören zu den größten Funden am Meeresboden. In zwanzig ausgedehnten Hügeln schätzen wir zehn oder zwanzig Millionen Tonnen Kupfer-, Zink- und Bleierze und Sondermetalle wie Indium, Gallium, Selen oder Tellur. Wir haben zwar nicht hineingebohrt, aber Proben entnommen und alles mit Kameras angeschaut.

          Wofür braucht man solche Metalle?

          Man verwendet sie hauptsächlich in der Elektronikindustrie für Telekommunikation und Computer, aber auch in der Elektromobilität: Ein Elektrofahrzeug braucht angesichts der Spule für den Elektromagneten 12 Kilogramm mehr Kupfer als das klassische Auto, das es ersetzen soll. Diese Menge, multipliziert mit den 46 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen, ergibt eine beträchtliche Summe. Und dann haben wir noch nicht über Europa, Nordamerika, Asien gesprochen. In den Industrieländern recyceln wir zwar wie die Weltmeister, aber der Bedarf steigt stetig mit neuen Technologien. Dafür sind alle verantwortlich – wir alle konsumieren. Die Frage ist, woher wir die Rohstoffe in Zukunft holen.

          Hoffen Sie also auf einen untermeerischen Abbau?

          Ob unser Fund mit Hoffnungen verbunden ist, kann ich gar nicht sagen. Ich denke, alle hoffen, dass der freie Markt so frei bleibt, wie er gerade ist. Sicher können wir uns aber nicht sein, dass die europäische Industrie weltweit auch weiterhin auf Rohstoffvorkommen zurückgreifen kann. Wir prüfen die potentielle wirtschaftliche Nutzbarkeit, um dem Markt für diesen Fall Alternativen aufzeigen zu können.

          Der Schnüffelschlitten wird für den Tauchgang vorbereitet

          Welche Rolle spielt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)?

          Die BGR führt ein Explorationsvorhaben im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums auf Wunsch der Regierung durch. Als geowissenschaftliche Behörde verantwortlich für Rohstoffe, vertritt sie jetzt eine Industrie, die in Deutschland nicht mehr existiert. Früher gab es eine Preussag und eine Metallgesellschaft, aber jetzt hat Deutschland praktisch keine Unternehmen mehr, die Rohstoffe selbst suchen und einen marinen Bergbau betreiben könnte.

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