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Geologie : Unruhiges Mittelmeer

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Kein neues Phänomen: Gestiegener Meerespegel verursachte Überschwemmung Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Pegel des Mittelmeers schwankt nicht erst seit dem Klimawandel. Tektonische Verschiebungen haben in der Vergangenheit viel größere Schwankungen verursacht. So schnitt vor mehr als fünf Millionen Jahren eine Landzunge die Wasserzufuhr vom Atlantik ab.

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          Wenn heute von Schwankungen des Meeresspiegels die Rede ist, dann geschieht das meist im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Tatsächlich lag der Wasserstand der Weltmeere zum Höhepunkt der letzten Eiszeit um mehr als hundert Meter unter seinem heutigen Niveau. Unabhängig von Klimaschwankungen haben im Laufe der Erdgeschichte aber andere geologische Vorgänge zu Pegeländerungen mit erheblich größeren Amplituden geführt. Zwei französische Forscher haben nun erstmals die Wasserstandsänderungen des Mittelmeeres für die vergangenen sechs Millionen Jahre genau untersucht. In dieser Zeit lag der tiefste Pegel um mehr als zwei Kilometer niedriger als heute.

          Die Ursachen dafür, dass sich das Mittelmeer so stark verändert hat, sind in tektonischen Bewegungen zu suchen. Bei ihrer Kollision haben die europäische und die afrikanische Erdkrustenplatte im Laufe der Jahrmillionen nicht nur die Alpen aufgetürmt. Es kam auch immer wieder zu raschen Änderungen der Höhe jenes Bergrückens, der heute unter dem Wasser der Straße von Gibraltar verborgen ist. Julien Gargani von der Universität in Le Mans und Christophe Rigollet vom Unternehmen Gaz de France haben nun mit seismischen Messungen und mit Modellrechnungen das Auf und Ab dieses Bergrückens im Detail studiert.

          Verdunstung bis zu einem Meter pro Jahr

          In manchen Perioden der vergangenen sechs Millionen Jahre hob sich der Rücken mit der geologisch gesehen großen Geschwindigkeit von siebzig Zentimetern in tausend Jahren. Dabei kam es immer wieder vor, dass das Mittelmeer isoliert wurde. Schon früher hatten geologische Untersuchungen ergeben, dass eine erste Landbrücke zwischen dem heutigen Gibraltar und Marokko vor etwa 5,4 Millionen Jahren entstand.

          Wegen der recht hohen Temperaturen verdunstet im Mittelmeer ständig weit mehr Wasser, als von außen zufließt. Fehlt der Ausgleich mit dem Atlantik, beginnt der Wasserstand zu sinken. Seinen Tiefststand, so berechneten die beiden Forscher, dürfte er schon wenige tausend Jahre nach Entstehen der ersten Landbrücke erreicht haben. Denn die Verdunstung im Mittelmeerraum beträgt zwischen einem halben und einem Meter pro Jahr.

          Mehrere tausend Jahre dauernde Erosionsphasen

          Der Niedrigpegel habe, so schreiben die Forscher, für mindestens 70.000 Jahre bestanden. Er war in dieser Zeit aber keineswegs konstant. Mit seismischen Analysen wurden in den entsprechenden Meeressedimenten bis zu fünf jeweils mehrere tausend Jahre dauernde Erosionsphasen nachgewiesen. Auch zu anderen Zeiten, in denen der Wasserstand des Mittelmeeres im Durchschnitt 1500 beziehungsweise 500 Meter unter dem heutigen Niveau lag, kam es zu Pegelschwankungen, die sich in Erosionsrinnen in Meeressedimenten äußerten.

          Mit Klimaänderungen seien diese Pegelschwankungen nicht zu erklären, denn dafür seien ihre Amplituden zu groß gewesen. Vielmehr, so ergab das nun von den beiden Forschern in den „Geophysical Research Letters“ vorgestellte Modell, seien die Schwankungen des Wasserstandes eine Folge des ständigen Auf und Ab der Landbrücke.

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