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Geologie : An der Quelle der biblischen Katastrophen

  • -Aktualisiert am

Orthodoxe Pilger nach dem Bad im Jordan. Bild: AP

Der Jordangraben ähnelt der kalifornischen San-Andreas-Verwerfung. Doch in seiner Anderarsartigkeit gebiert er unter anderem Kleinstoasen - und Steine, die an psychedelische Gemälde erinnern.

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          Die Piste hinauf in das Wadi ist steil und schlecht. Loser Schotter, enge Kurven und gelegentlich lockerer Sand machen dem Fahrer bei der Bergauffahrt das Fortkommen schwer. Dennoch lenkt er den Geländewagen geschickt stetig höher durch das schroffe Erosionstal. Nach einiger Zeit, man befindet sich schon hoch über dem Talboden, hält der Fahrer den Wagen an und weist auf den Höhenmesser. Das Meßgerät zeigt die Zahl "null", und auch der GPS-Empfänger an Bord bestätigt, daß man in diesem engen Tal hoch im jordanischen Gebirge endlich das Meeresniveau erreicht hat.

          Erst viel weiter oben öffnet sich das Wadi und gibt den Blick zurück auf den Ausgangspunkt der Fahrt frei. Unter einem erstreckt sich im diffusen Wüstenlicht blau schimmernd das Tote Meer, die tiefste Senke der Erde. Der steil abfallende Gebirgszug am anderen Ufer liegt schon auf israelischem Gebiet. Weiter im Nordwesten - im Dunst des feinen Wüstenstaubs kaum wahrzunehmen - befindet sich das Westjordanland.

          Zwischen den aus rötlichem, schroffem Gestein bestehenden Wänden dieses einsamen Wadis auf jordanischer Seite des Sees ist aber nichts von der politischen Spannung westlich des Jordans zu spüren. Man ist mit sich und der Wüste allein, und ein leichter Wind mildert um diese Jahreszeit sogar die Kraft der sengenden Sonne.

          Kette von Vertiefungen bis in die Savannen Kenias

          Noch heute heißt es in vielen Lehrbüchern, das Tote Meer läge im Jordangraben, der wiederum Teil eines angeblich von Syrien bis tief nach Ostafrika reichenden Grabensystems sei. Der erste Augenschein und ein flüchtiger Blick auf eine Landkarte scheinen diese Aussage zu bestätigen. Tatsächlich zieht sich, vom See Genezareth bis zum Golf von Akaba, dann weiter durch das Rote Meer bis nach Djibouti, anschließend in Ostafrika von Eritrea durch Äthiopien bis in die wunderschönen Savannen Kenias und Tansanias, eine auffällige Kette von Vertiefungen durch die Erdoberfläche.

          Eine Erklärung dafür bot die Theorie der Plattentektonik. Im Roten Meer und in Ostafrika driftet die Erdkruste auseinander, weil sich die afrikanische Lithosphärenplatte allmählich vom Indischen Ozean entfernt. Deshalb lag es nahe, auch in dem biblischen Gebiet zwischen den Golanhöhen und dem Golf von Akaba einen Graben zu vermuten.

          Deutsche, Israelis, Palästinenser

          Die geologischen Verhältnisse in dieser Region seien aber längst nicht so einfach, sagt Michael Weber vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Er leitet eine internationale Arbeitsgruppe von Geowissenschaftlern, die seit einigen Jahren das Gebiet rund um das Tote Meer untersucht. Daran sind neben deutschen Forschern auch Wissenschaftler aus Palästina, Jordanien und Israel beteiligt, die zum erstenmal gemeinsam den komplexen geologischen Zustand der Region erfassen.

          Eines der Ergebnisse dieser vorbildlichen, aber politisch brisanten Zusammenarbeit ist, daß die Hypothese vom Graben, durch den der Jordan fließt, wohl endgültig verworfen werden muß.

          Alttelstamentliche Kastastrophen dem Graben geschulded?

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