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Gefahrenkarte für Deutschland : Auch hier bebt die Erde

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Nur eine Übung: Hundeführer und ihre Spürhunde trainieren in Mecklenburg-Vorpommern das Aufspüren verschütteter Personen. Bild: dpa

Dass die Erde in Deutschland stärker bebt, kommt äußerst selten vor. Dennoch ist das Risiko für bestimmte Gebiete nicht zu vernachlässigen. Wo die Gefahr am größten ist, zeigt nun eine aktuelle Karte deutscher Geoforscher.

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          Deutschland und seine unmittelbaren Nachbarländer gehören gewiss nicht zu den von starken Erdbeben bedrohten Gebieten auf der Welt. Dennoch kommt es auch hierzulande gelegentlich zu starken Erdstößen, die erhebliche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachen. So wurden im November 1911 mehr als 6000 Gebäude in Süddeutschland durch ein Erdbeben auf der Schwäbischen Alb beschädigt. Ein ähnliches Beben im gleichen Gebiet verursachte im September 1978 im Großraum Albstadt mehr als 275 Millionen Mark an Schäden.

          Im Jahr 1756 kamen sogar zwei Menschen bei einem Erdbeben in der Nähe von Düren in der Niederrheinischen Bucht ums Leben, Sachschäden wurden dabei von Aachen bis Bad Münstereifel gemeldet. Das schwerste bekannte Erdbeben ereignete sich in unserer Region im Jahre 1356 an der Grenze zu Basel. Es hatte eine Magnitude von mehr als 6,5, und ihm fielen mindestens 100 Menschen zum Opfer. Um Bauingenieuren, Stadtplanern und Katastrophenschützern einen Überblick über die zu erwartende seismische Aktivität und ihre Stärke zu geben, berechnen Seismologen schon seit Jahren immer wieder die Erdbebengefährdung für die verschiedenen Teile Deutschlands. Mitarbeiter des Geoforschungszentrums in Potsdam haben nun die jüngste seismische Gefahrenkarte für unser Land vorgelegt.

          Farbcodes verraten das Erbebenrisiko

          Die gute Nachricht ist, dass für den allergrößten Teil Deutschlands keine oder, wenn überhaupt, nur eine sehr geringe Gefahr besteht, von einem Schaden verursachenden Erdbeben heimgesucht zu werden. Lediglich auf weniger als einem Viertel der Landesfläche ist dagegen mit stärkeren Erderschütterungen zu rechnen. Zwei Gebiete treten in der nun in der Zeitschrift „Bautechnik“ veröffentlichten Karte als besonders gefährdet hervor. Es sind die Schwäbische Alb südlich von Stuttgart und die Niederrheinische Bucht westlich von Köln. Diese Regionen sind in der Karte dunkelrot markiert.

          Diese Gebiete sind am stärksten gefährdet.
          Diese Gebiete sind am stärksten gefährdet. : Bild: GFZ

          Eine etwas erhöhte seismische Gefährdung (orange und gelb markiert) gibt es auch im Gebiet des gesamten Rheintals zwischen Basel und Bonn sowie am Alpenrand. Die einzige seismisch aktive Gegend im Osten Deutschlands ist das Vogtland an der Grenze zur Tschechischen Republik. Dort kommt es im Egergraben immer wieder zu Erdbebenschwärmen, von denen eine leichte seismische Gefährdung ausgeht. Die weißen Punkte in der Karte sind die Epizentren aller bekannten Erdbeben in Deutschland und seiner unmittelbaren Umgebung.

          Die Beben, die keine waren

          Im Gegensatz zu tektonisch aktiven Gebieten wie beispielsweise rund um den Pazifik ist die Berechnung der seismischen Gefährdung für erdbebenarme Regionen wie das nördliche Mitteleuropa recht schwierig. Die Grundlage für derartige Kalkulationen bildet nämlich die Erdbebengeschichte eines Gebietes. Dabei ist die Frage zu beantworten, wie häufig dort Beben mit stärkeren Magnituden auftreten. In seismisch aktiven Regionen ist die Zahl der Erdbeben hoch, so dass daraus die „Wiederkehrperiode“ recht genau bestimmt werden kann.

          Weil stärkere Erdbeben in Deutschland aber selten auftreten, sind Seismologen bei der Beurteilung der Bebenhäufigkeit auf Erdbebenkataloge angewiesen. Um sie erstellen zu können, müssen historische Quellen ausgewertet werden. Darin werden zwar des öfteren Erdstöße erwähnt, die Informationen über deren Stärke und die Ausdehnung des Schadengebietes sind aber oft sehr unzuverlässig.

          Für ihre jüngsten Berechnungen haben nun Gottfried Grünthal und seine Mitarbeiter die vorhandenen Erdbebenkataloge für Deutschland einer kritischen Prüfung unterzogen. Dabei kamen die Forscher zu der Einsicht, dass mehr als die Hälfte der Einträge darin entweder völlig falsch oder sehr unzuverlässig sind. Daraufhin korrigierten sie das Datenmaterial und unterzogen es einer umfangreichen statistischen Analyse. Das Ergebnis ist nun die aktuelle Gefährdungskarte für Deutschland.

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