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Galapagos-Inseln : Bevölkerungsexplosion im Inselparadies

  • -Aktualisiert am

Echsen am Loberia-Strand auf der Insel San Cristobal Bild: AP

Galapagos verliert immer schneller sein ursprüngliches Gesicht. Eine neue Bilanz zeigt: Immer mehr schädliche Tiere und vor allem Menschen bevölkern das bedrohte Archipel.

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          Eingeschleppte Arten gefährden immer wieder die einzigartige Fauna und Flora der Galapagos-Inseln. Manchmal bedarf es rigoroser Maßnahmen, die zum Weltnaturerbe zählende Lebensgemeinschaft vor invasiven Spezies zu schützen. Voraussetzung dafür ist, dass über die Veränderungen genau Buch geführt wird. Wissenschaftler der auf der Insel Santa Cruz gelegenen Charles Darwin Station haben nun zusammengetragen, was über gebietsfremde Wirbeltiere bekannt ist. Sie stützten sich dabei auf historische und aktuelle Daten, darunter auch eigene Beobachtungen. Den Angaben zufolge handelt es sich um die erste umfassende Untersuchung dieser Art. Die Bilanz zeigt, dass die Zahl eingeschleppter Wirbeltierarten im vergangenen Vierteljahrhundert deutlich zugenommen hat.

          Überfremdetes Archipel

          Auf den im Jahr 1535 entdeckten Galapagos-Inseln kommen mittlerweile mehr als 750 fremde Pflanzenarten vor. Ihre Zahl übersteigt sogar die der als ursprünglich geltenden Arten. Ebenfalls eingeschleppt wurden fast 500 Insektenarten. Demgegenüber ist die Zahl der gebietsfremden Wirbeltierspezies zwar klein, nicht aber der Schaden für die bestehenden Lebensgemeinschaften. Wie die Forscher um Brand Phillips online in der der Zeitschrift "Biological Invasions" (doi: 10.1007/s10530-011-0090-z) berichten, stieg die Zahl der als eingeschleppt registrierten Wirbeltierarten von dreizehn im Jahr 1984 auf 44 im Jahr 2011.

          Zahlreiche Kuckuskinder

          Ganz so dramatisch war der tatsächliche Anstieg indes nicht. Die eine oder andere Spezies, etwa der zu den Kuckucken zählende Glattschnabel-Ani, war den Forschern zufolge zuvor übersehen worden, und bei anderen Spezies war man noch uneins über den Status gewesen. So galt der Kuhreiher, der inzwischen als Eindringling entlarvt ist, Anfang der achtziger Jahre noch als heimisch. Für mindestens sieben Wirbeltierarten steht nach Überzeugung der Forscher aber fest, dass sie innerhalb der beobachteten Zeitspanne erstmals gesichtet wurden.

          Verwilderte Populationen

          Zu den fremden Wirbeltieren gehören zwölf Vogelarten, neun Reptilienarten, vier Spezies von Amphibien und zwei Fischarten. Insgesamt zehn dieser eingeschleppten Spezies haben sich etabliert. Die größte Fraktion unter den gebietsfremden Wirbeltierarten, die bisher auf Galapagos aufgespürt wurden, stellen die Säuger. Auf sie entfallen siebzehn Spezies. Bei manchen handelte es sich um einzelne "Exoten", etwa zwei Ozelots, die 1937 eingeführt und bald abgeschossen wurden. Auch ein im Jahr 2006 auf einem Privatboot entdeckter Lisztaffe darf als Episode abgehakt werden. Aber zehn der eingeschleppten Säugerarten, darunter Katzen, Hunde, Ziegen und Schafe, sind schon früh verwildert und haben sich als Populationen festgesetzt.

          Gefräßige Ratten

          Bei den Säugetieren dominiert von der Zahl der Individuen her die Hausratte. Sie wurde wohl schon im 17. Jahrhundert von Walfängern und Piraten eingeschleppt. Charles Darwin hat Hausratten 1835 auf der Galapagos-Insel Santiago dokumentiert. Die Nager richten großen Schaden in der Natur an, indem sie zum Beispiel den frisch geschlüpften Nachwuchs von heimischen Riesenschildkröten fressen. Auch die Eier und Nestlinge des Galapagos-Sturmtauchers stehen auf ihrem Speiseplan. Hausratten haben sich nach und nach auf mindestens 36 der insgesamt 123 mehr oder weniger großen Inseln des Archipels eingenistet. Einige Populationen konnten aber mit Gift und Fallen ausgerottet werden. Vor etwa einem Vierteljahrhundert hat auch die Wanderratte Fuß gefasst. Bislang scheint sich das Verbreitungsgebiet dieser größeren und aggressiveren Spezies aber auf drei Inseln zu beschränken.

          Ein Blick auf den Vulkan der Isabela-Insel
          Ein Blick auf den Vulkan der Isabela-Insel : Bild: AP

          Invasion der Säuger

          Ursprünglich, zur Zeit seiner Entdeckung, beherbergte das Galapagos-Archipel neun Arten von Säugern. Es handelte sich um sieben Nagerspezies - drei davon sind ausgerottet - und zwei Fledermausspezies. Das bedeutet, dass inzwischen mehr Säugerarten eingeschleppt wurden als vorhanden waren. Schwere Schäden im natürlichen Gefüge haben zum Beispiel verwilderte Ziegen, Schweine und Esel angerichtet, bevor sie dezimiert werden konnten.

          Heimtückische Reptilien

          Die größte Gefahr dürfte nach Einschätzung der Forscher um Phillips künftig von kleineren Wirbeltieren ausgehen, insbesondere von Reptilien wie Eidechsen und Schlangen. Solche Tiere überstünden lange Transportzeiten und ließen sich in Frachtlieferungen oft schwer aufspüren. Zudem sei praktisch das ganze Archipel ein geeigneter Lebensraum für sie. Zwei solche Arten, der Asiatische Hausgecko und die Braune Nachtbaumnatter, hätten sich schon früher als heimtückische Invasoren erwiesen.

          Der größte Eroberer

          Auf der Liste der gebietsfremden Wirbeltiere fehlt eine Spezies - der Mensch. Dabei müsste er, was den ökologischen Einfluss betrifft, an erster Stelle stehen. Der Mensch zeigt sich auf den von ihm bewohnten fünf Galapagos-Inseln als ausgesprochen invasiver Neubürger. Innerhalb von knapp drei Jahrzehten hat sich seine Population auf mehr als 30 000 verfünffacht, wie die Forscher konstatieren. Noch stärker ist der Tourismus gewachsen - von 20 000 auf 150 000 Besucher jährlich. Bei der Naturschutzorganisation Galapagos Conservancy blickt man mit Besorgnis auf den rasant steigenden Flugverkehr und das zunehmende Frachtaufkommen. Fremden Organismen bieten sich jedenfalls zunehmend Gelegenheiten, die natürlichen Barrieren zu überwinden.

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