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Robuste Korallen : Es darf ruhig noch heißer sein

  • -Aktualisiert am

Zu warmes Wasser lässt am Great Barrier Reef die Korallen erbleichen. Bild: dpa

Eine Algenart macht Korallen im Persischen Golf hitzetolerant. Bei Wassertemperaturen von 35 Grad und mehr nehmen die Nesseltiere keinerlei Schaden.

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          Steigende Meerestemperaturen lassen vielerorts die Korallenriffe erbleichen: Die sesshaften Nesseltiere entledigen sich der einzelligen Algen, die ihnen eine meist bräunliche Farbe verleihen. Mit diesen Algenzellen aus der Gruppe der Dinoflagellaten leben Korallenstöcke normalerweise in inniger Symbiose. Sie liefern ihnen Kohlensäure und mineralische Nährstoffe und lassen sich dafür mit Produkten der Photosynthese versorgen. Wenn der Photosyntheseapparat der Algen durch Überhitzung entgleist, entstehen jedoch gefährliche Substanzen wie Wasserstoffperoxid, die das Gewebe schädigen. Dann bleibt den Korallen nichts anderes übrig, als sich schleunigst von ihren pflanzlichen Partnern zu trennen – obwohl sie ohne die Algenzellen darben müssen.

          Erst wenn die Wassertemperatur wieder sinkt, können sich die Korallen wieder spezielle Algen zulegen, die ihnen eine ausreichende Verpflegung garantieren. Ob sich ausgeblichene Exemplare wieder erholen, hängt nicht nur von Länge und Häufigkeit der Hitzeperioden ab. Je nach Art und Herkunft sind die Korallen auch unterschiedlich hart im Nehmen. Als verblüffend hartgesotten erweisen sich jene, die im Persischen Golf zu Hause sind. Dort müssen sie im Sommer oft Temperaturen um die 35 Grad Celsius ertragen. Für andere Korallen wäre so ein Ambiente unerträglich. Im wärmsten Teil des Great Barrier Reef zum Beispiel steigt die Wassertemperatur gewöhnlich nicht über 30 Grad.

          Pflanzliche Partner fast alle aus dem Süden

          Dass die Korallen im Persischen Golf außerordentlich hitzetolerant sind, verdanken sie hauptsächlich einer einzelligen Alge namens Symbiodinium thermophilum. So extravagant wie zunächst vermutet ist dieser Symbiosepartner aber gar nicht. In benachbarten Meeresgebieten ist er ebenfalls anzutreffen, wenn auch viel seltener. Das berichten Benjamin Hume und Cecilia D’Angelo von der University of Southampton in den „Proceedings“ der nationalen Amerikanischen Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel haben sie Korallen aus dem Persischen Golf, dem Golf von Oman und dem Roten Meer in ihre Studie einbezogen.

          Mit molekulargenetischen Verfahren ließ sich die Alge Symbiodinium thermophilum in fast allen Proben nachweisen, die aus dem Süden des Persischen Golfs kamen. Von den untersuchten Korallen aus dem Nordwesten beherbergten nicht so viele diesen pflanzlichen Partner; im Golf von Oman und im Roten Meer betrug dieser Anteil nur wenige Prozent. Womöglich ist die außerhalb des Persischen Golfs recht rare Alge sogar rings um den Globus heimisch. Darauf deuten bestimmte Abschnitte einer DNA hin, die aus einer Meeresbucht von Hawaii stammt.

          Wie der molekulargenetische Stammbaum zeigt, trennte sich Symbiodinium thermophilum schätzungsweise schon vor 13 Millionen Jahren von anderen Symbiosepartnern der Korallen. Kein Wunder, dass diese Alge nach so viel Zeit für Evolution eine große genetische Vielfalt aufweist. Jedenfalls im Golf von Oman und im Roten Meer. Im Persischen Golf ist die genetische Ausstattung von Symbiodinium thermophilum weniger abwechslungsreich. Als besonders einförmig erwies sie sich ausgerechnet im Süden, wo über die nahe Straße von Hormuz ein reger genetischer Austausch zu erwarten wäre.

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