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Forstwirtschaft : Schätze aus Chinas Wäldern

  • -Aktualisiert am

Exportschlager aus dem Wald: Matsutake-Pilze Bild: AP

Bambus, Matsutake-Pilze, pflanzliche Farben und Lacke - neben dem Holz der Bäume hat der chinesische Wald noch manch anderes zu bieten. Ein Blick zwischen die Bambus-Blätter offenbart sein volles Potential.

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          Tannenhonig und Heidelbeeren, Bärlauch und Steinpilze - neben dem Holz der Bäume haben Wälder noch manch anderes zu bieten. Hierzulande hat das zwar kaum eine wirtschaftliche Bedeutung. Weltweit sind laut einer Studie der Vereinten Nationen jedoch mehr als eine halbe Milliarde Menschen auf solche Produkte angewiesen. Auch Chinas Wälder liefern viel Nützliches, von Wildgemüse und Heilkräutern bis zu pflanzlichen Farben und Lacken. Manches davon wird auch auf den internationalen Markt gebracht. So willkommen solche Einkommensquellen sind, so groß ist freilich die Gefahr, daß sie, weil allzu eifrig geplündert, rasch versiegen. Wie sich der vielfältige Reichtum des Waldes langfristig erhalten und nutzen läßt, war dieser Tage das Thema eines Symposions in Göttingen. Chinesische Fachleute trafen sich dort mit deutschen Forst-und Agrarwissenschaftlern, um die Grundlagen für eine enge Zusammenarbeit auszuloten.

          Nachhaltige Forstwirtschaft hat in China noch keine lange Tradition. Vielerorts wurden selbst steile Berghänge großflächig abgeholzt. Die wenigen Wälder, die nahezu unberührt blieben, stehen mittlerweile jedoch unter Schutz. Künftig sollen Plantagen einen Großteil des Holzbedarfs decken. Zugleich soll das ehrgeizige Aufforstungsprogramm die Bodenerosion beenden und den Wasserhaushalt verbessern. Meist sind die Aufforstungsflächen allerdings Monokulturen. Mal wachsen dort chinesische Kiefern, Lärchen oder Pappeln, mal australische Eukalyptusbäume. Etwas mehr Abwechslung, so räumte Lu Yuanchang von der Chinesischen Akademie für Forstwirtschaft in Peking ein, könnte nicht schaden. Schließlich steht eine reiche Palette heimischer Baumarten zur Auswahl. Dabei hat Lu Yuanchang nicht nur die Holzproduktion im Blick. Die chinesische Eßkastanie (Castanopsis hysterix) etwa trägt wie ihr europäisches Pendant auch nahrhafte Früchte.

          Bambus kann Erosion eindämmen

          Gräser der Bambusfamilie können ebenfalls zu einer attraktiven Einnahmequelle werden. Wie Lou Yiping vom Internationalen Netzwerk für Bambus und Rattan in Peking erläuterte, läßt sich aus den oft baumlangen Bambushalmen fast alles herstellen, was üblicherweise aus Holz gefertigt wird: Dachbalken, Fußböden und Möbel ebenso wie Papier oder Zellulosefasern für Kleiderstoffe. Darüber hinaus liefern manche Bambusarten eßbare Sprosse, die nicht nur als Gemüse taugen, sondern sich auch zu Bier oder Softdrinks verarbeiten lassen. Mit Bambus, ob wildwachsend oder angepflanzt, läßt sich fernab der großen Städte Geld verdienen. Ganz im Sinne des neuen Fünfjahresplans, nach dem nun endlich auch die ländlichen Regionen an Chinas wirtschaftlichem Aufschwung teilhaben sollen.

          Gezielt gepflanzt, kann Bambus mit seinem weitverzweigten Wurzelwerk die Erosion eindämmen. Daß die Bewirtschaftung solcher Plantagen mancherorts zunehmend industrialisiert wird, sieht Lou Yiping jedoch kritisch. Nicht nur, weil großflächige Monokulturen oft mit aufwendiger Bewässerung und einem großzügigen Gebrauch von Düngemitteln und Pestiziden einhergehen. Wo Maschinen ganze Arbeit leisten, verliert die lokale Bevölkerung Arbeitsplätze und Einkommen.

          Der Pilzexport ist ein florierendes Geschäft

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