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Forschungssatelliten : Blindflug für die Klimaforscher?

  • -Aktualisiert am

Daten der Erderkundungsmissionen „Swarm“ (Erdmagnetfelder), „CryoSat“ (Eisflächen), „Smos“ (Bodenfeuchte bzw. Ozean-Salzgehalt) und „Goce“ (Erdschwerfeld). Bild: ESA

Eine ganze Generation von Satelliten zur Erdbeobachtung steht auf der Kippe. Nicht nur Europas Cryosat, auch die Zukunft der Nasa mit ihren Sonden ist unklar. Es droht ein riesiges Datenloch.

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          Wenn man so möchte, entscheidet sich das geologische Schicksal unseres Planeten an den Polen. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Die Datenreihen aber, die dokumentieren, in welcher Art und in welchem Umfang sich die Eisdecke an den beiden Enden der Welt verändert, gehören zu den stärksten Beweismitteln bei der Analyse der globalen Erwärmung. Der weltweite Anstieg der Mitteltemperatur hat direkten Einfluss auf die Eismassen dieser Welt. Schmelzen diese, hat das gravierende Folgen für das Erdsystem im Ganzen.

          Ausgerechnet bei der Erforschung der Polarregionen droht der Wissenschaft nun ein blinder Fleck. Der Grund: Der Cryosat-2-Satellit, der derzeit zuverlässig Daten liefert, könnte jeden Augenblick seinen Dienst verweigern. Die Mission der europäischen Raumfahrtagentur Esa, die 2010 gestartet wurde, war ursprünglich nur auf drei Jahre ausgelegt; allein weil sich der Satellit immer noch in einem guten Zustand befindet, ist die Mission bis 2017 verlängert worden. Gar bis 2025 soll das Bodensegment, also die Station, die die Cryosat-2-Daten empfängt und bündelt, vorgehalten werden. Und dann? Zwar gibt es einige Vorstudien, eine Nachfolgemission aber, die zeitnah vergleichbare Messergebnisse liefern könnte, ist noch nicht gesichert. Angelika Humbert vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI) beobachtet die Entwicklung daher mit Sorge. „Die Vorstudien und Planungen sind fertig – aber noch gibt es keinen Startschuss. Selbst wenn sich die Esa augenblicklich für eine Nachfolgemission entschließen könnte, wenn die Finanzierung gesichert ist und wenn dann alles ohne Verzögerung verlaufen würde, könnte der nächste Satellit erst 2021 ins All gehen.“ Vier lange Jahre wären das, die den Klimawissenschaftlern eine schmerzhafte Datenlücke bescheren würden.

          Künstlerische Darstellung des Europäischen Forschungssatelliten Goce bei der Trennung von der Raketenoberstufe.

          Die Vereinigten Staaten hatten bereits vor der Amtsübernahme Donald Trumps als Präsident angekündigt, sich lieber den Mars anzuschauen, als sich mit der Erde zu beschäftigen. Zwar ist mit der IceSat-2-Mission für 2018 eine Mission geplant, die ähnliche Daten wie Cryosat-2 liefern würde. Aber seine Lebensdauer würde die Lücke nicht schließen. Die bei der Nasa zuständige Abteilung für Erdforschung soll nach der Neuausrichtung durch die Trump-Regierung künftig keine weitere finanzielle Unterstützung mehr erhalten. Die derzeit sechzehn Missionen zur Erderkundung werden aller Voraussicht nach keine Verlängerung bekommen. Damit fehlen bald Daten zu Eis, Wolken, Wasser, Temperatur und anderen wichtigen Klimaparametern.

          „Die Europäer täten gut daran, sich nicht zu sehr auf die Nasa zu verlassen“, mahnt Humbert vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage. Laut dem UN-Sekretariat für Outer Space Affairs UNOOSA sind derzeit 4635 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn; 1903 von ihnen sind aktiv. Ein Großteil davon wird für Telekommunikation, Fernsehen, Radio und digitale Datenübertragung genutzt, aber eben auch für die Erdbeobachtung.

          Künstlerische Darstellung des Cryosat-2 Satelliten zur Überwachung der Eisschilde

          Das amerikanische Militär begann mit der satellitengestützten Erderkundung im Jahr 1959. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges spielten zum damaligen Zeitpunkt vornehmlich geostrategische Informationen eine Rolle. Heute hingegen sind die Daten von Cryosat-2, TerraSAR-X, IceSat & Co. längst unverzichtbar geworden, um die Messreihen der Atmosphäre, der Landflächen, der Eiszonen und Ozeane sowie der Biosphäre zu einem Bild zu verdichten. Der Blick von außen ist unverzichtbarer Bestandteil der globalen Umwelt- und Klimamodelle geworden. Noch nie gab es eine derart umfangreiche und aktuelle Datenbasis; eine Lücke kann sich die Klimatologie vor dem Hintergrund der aktuellen Dynamik nicht erlauben – schon gar nicht bei der Überwachung der Eiskörper.

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