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Forschung : Das Klima in Deutschland wird sich verändern

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Elbe im Juli 2003: Ist Wassermangel im Sommer künftig ganz normal? Bild: dpa

Es kann wärmer werden, es kann kälter werden, auf jeden Fall wird es anders. Der Deutsche Wetterdienst versucht, das Katastrophenszenario des neuen Films von Roland Emmerich einzuordnen.

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          Die Deutschen müssen sich nach Berechnungen von Klimaforschern in den nächsten 100 Jahren auf deutlich anderes Wetter einstellen. Die weltweite Erderwärmung wird danach weiter zunehmen, wie Volker Vent-Schmidt, Leiter der Abteilung Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes, am Mittwoch in Offenbach sagte. Eine Folge könnten nassere Winter, trockenere Sommer und häufigere Stürme sein. Sollte es sogar zu einer Verlagerung des Golfstroms kommen, würde es dagegen viel kälter und trockener. Vent-Schmidt äußerte sich zu Fragen, die durch den neuen Katastrophenfilm „The Day After Tomorrow“ des Regisseurs Roland Emmerich aufgeworfen werden.

          Die von einigen Klimamodellen prognostizierte Veränderung des Golfstroms „würde in Europa zu einer Verschiebung aller bisherigen Klimazonen nach Süden führen. Die Folge für Deutschland wäre statt eines Temperaturanstiegs ein starker Rückgang der Temperaturen - vor allem im Winter. Sollten diese Prognosen eintreffen, müßten wir hier mit einem deutlich kälteren und trockeneren Klima zu leben lernen“, sagte der Wetterforscher.

          Golfstrom sorgt für gemäßigtes Klima

          Bisher führt der Golfstrom relativ warmes Wasser entlang der skandinavischen Westküste weit nach Norden und sorgt dafür, daß West-, Mittel- und Nordeuropa ein für ihre geographische Lage ungewöhnlich mildes Klima besitzen. Ursache für den Golfstrom ist den Angaben zufolge im wesentlichen, daß das Oberflächenwasser zwischen Island und Grönland stark abkühlt, damit schwerer wird und als kaltes Tiefenwasser zum Ozeanboden absinkt. Zugleich strömt
          wärmeres und damit leichteres Wasser aus dem Süden nach. Bei der Erwärmung des Polargebiets würde die Abkühlung des Oberflächenwasser vermindert. Dadurch könnte die Golfzirkulation geschwächt oder gar ganz unterbunden werden.

          Bleibt dieser Effekt aus, dürfte es eine gegenteilige Entwicklung geben. Dann könnten bis zum Jahr 2100 nach Einschätzung der Klimaforscher die Jahresdurchschnittstemperaturen in Deutschland von heute 8,3 Grad auf rund 11 Grad steigen. Die damit verbundenen nasseren Winter und trockeneren Sommer würden zu vermehrtem Hochwasser im Winter und größerem Wassermangel im Sommer führen - also genau zu den Effekten, die wir in den vergangenen beiden Sommern (Rekordhochwasser an der Elbe 2002, Hitzesommer 2003) bereits erlebt haben.

          Gesicherte Erkenntnisse erst in 20 Jahren

          Veränderungen des Klimas habe es immer schon gegeben. Neu sei, daß der Mensch seit rund 200 Jahren selbst dazu beitrage. „Wie groß dieser anthropologische Anteil an der aktuellen Klimaveränderung ist, werden wir allerdings erst in zehn bis 20 Jahren sicher sagen können“, sagte Vent-Schmidt.

          Im vergangenen Jahrhundert ergab sich bei den Jahresmitteltemperaturen seit 1901 ein ansteigender Trend von 0,6 Grad, wie Vent-Schmidt erklärte. Der Trend beruht den Angaben zufolge weitgehend auf einem Anstieg bis 1911 und einer sehr warmen Periode seit 1988. Bei den Niederschlägen gab es in den vergangenen 100 Jahren nur einen leichten Anstieg, „der im wesentlichen auf das Fehlen besonders niederschlagsreicher Jahre in den ersten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts zurückzuführen ist“.

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