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Kabeljau und Co. : Warum Fangquoten allein die Fischbestände nicht schützen können

Fischerei spielte im von Meeren umgebenen Europa seit der Antike eine große Rolle. Heute aber leben mehr Menschen davon, als den Fischbeständen guttut. Bild: Picture Alliance

Die Schonung einzelner Fischarten hat in Europa nicht zur erhofften Erholung der Bestände geführt. Wie marine Ökosysteme geschützt werden können, dafür haben Wissenschaftler verschiedene Strategien entwickelt.

          7 Min.

          Vor zwanzig Jahren war die Irische See nicht mehr das Meer, das sie einst gewesen war. Obwohl das Gebiet zwischen Irland und Großbritannien vormals zu den reichsten Fischgründen Europas gezählt hatte, zogen die Fischereiflotten immer weniger Kabeljau, Wittling, Seezunge und Hering an Land. Stattdessen zappelten vermehrt Hummer und andere Schalentiere in den Netzen. Auf Empfehlung des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) schränkten die Fischereiflotten die Fangquoten für viele Arten drastisch ein. Doch auch nach jahrelanger Schonung schienen sich die Bestände nicht zu erholen. Im Jahr 2015 setzten sich daraufhin Vertreter aus Indus­trie, Wissenschaft und Umweltorganisationen zusammen, um einen Plan für die Entwicklung eines besseren Fischereimanagements auszuarbeiten. Statt die Bestände einzelner Fischarten zu untersuchen, sollten Modelle entwickelt werden, die auch andere Arten und Umweltparameter in das Management einbeziehen.

          Rebecca Hahn
          Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Meeresökologen fordern schon lange einen solchen ökosystembasierten Ansatz für Schutz und Nutzung mariner Ressourcen. Auch die seit 2008 gültige Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der EU basiert auf der Idee, dass sich ein guter Umweltzustand der Meere nur dann erreichen lässt, wenn diese in ihrer Dynamik und Vielfalt geschützt werden. Menschliches Handeln soll deshalb die Zusammenhänge in den marinen Ökosystemen berücksichtigen. Dennoch arbeitet das Fischereimanagement in Europa weiter mit traditionellen Ein-Arten-Ansätzen: Die wissenschaftlichen Empfehlungen, an denen sich die EU-Fischereiminister bei der Festlegung der Fangquoten orientieren, resultieren nicht aus Beobachtungen ganzer Ökosysteme, sondern aus der gezielten Überwachung der kommerziell genutzten Fischarten. Wie lässt sich das mit dem Ziel eines nachhaltigen Meeresschutzes vereinbaren?

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