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Europas Arktis : No-go-Zone für Eisberge und Windparks

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Erdgasverflüssigungsanlage auf der norwegischen Insel Melkoya. Norwegen gehört zu Europas wichtigsten LNG-Förderern. Bild: Matthias Hannemann

Ende des Ölbooms, zurück zur Natur? In Hammerfest, nicht weit vom Nordpol,denkt man gar nicht dran, die fossilen Brennstoffträume aufzugeben. Die Industrie in der Arktis will expandieren und nicht nur die norwegische.

          Es hat etwas Beruhigendes: zu wissen, dass das Licht zurückkommen kann. In Hammerfest, am nördlichen Ende Europas, ist erstmals seit Anbruch der Polarnacht im November die Sonne wieder zu sehen. Die knappe Stunde reicht aus, um das Stadtgespräch über die Flüchtlinge zu unterbrechen, die über die russische Grenze nach Nordnorwegen kamen. Und auch die Öl-Bohrinsel, die von der Aufsichtsbehörde endlich grünes Licht für den Produktionsstart erhielt, ist in dieser Stunde nicht so präsent. Es ist „Soldagen“ - Sonnentag. So steht es, auf einem Ausduck, der ein lächelnde Sonnenmotiv zeigt, selbst in der Kantine der Erdgasverflüssigungsanlage zu lesen, die sich auf der Insel Melköya vor dem Hafen befindet. Alles wird gut.

          Oder muss das in Hammerfest nicht sagen, weil es allen klar ist? Seit die Stadt zum Symbol für die Industrialisierung der europäischen Arktis wurde, blüht das Leben hier auf. Sagen sie in Hammerfest. Und dann zeigen sie die modernen Bürohäuser an der neuen, von blau-weißen Lichtern beleuchtete Promenade, das kunstvoll illuminierte Arktische Kulturzentrum, renovierte Kindergärten und Schulen - und Power-Point-Präsentationen, natürlich, auf denen die Bevölkerungsentwicklung markiert ist.

          Die Bohrplattform „Goliat“ beim Transport aus Hammerfest hinaus.

          Lange Jahre bewegte sie sich deutlich nach unten, weil es in Hammerfest trotz aller Fischerei-Tradition an Arbeitsplätzen und Lebenslust fehlte. Dann stieg sie plötzlich sagenhaft an, angestoßen von der Entscheidung für die Erschließung des Erdgasfeldes „Schneewittchen“ 2002 und der Entscheidung für das Ölfeld „Goliat“ 2009. Allein die LNG-Fabrik, die 2007 den Betrieb aufnahm, beschert der Stadt 200 Millionen Kronen Steuereinnahmen im Jahr.

          Nicht einmal der dramatisch abgestürzte Ölpreis kann die neue Freude am Dasein verderben. Der Ölpreis lässt zwar vieles unrentabel erscheinen, das sich die Öl- und Gasindustrie eben noch beim Blick auf die arktischen Schatzkarten erhoffte. Viele Projekte wurden gestoppt.

          Langfristig soll im Norden aber weiterhin Großes geschehen, beteuert die Industrie. Und die Bohrinsel, die 85 Kilometer vom Rathaus entfernt Öl aus dem Goliat-Feld heraussaugen und zu einem der nördlichsten Produktionsfelder der Welt werden soll, steht ja bereits an Ort und Stelle. Als sie im letzten Frühjahr von der Werft in Südkorea nach Hammerfest geschleppt wurde, war die ganze Stadt auf den Beinen, um den roten Koloss vor der Weiterfahrt in die Barentssee zu fotografieren. Nun, da die Aufsichtsbehörde ihr Okay gaben, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ENI Norge die Plattform in Betrieb nehmen wird. Sagt Alf Einar Jakobsen, der Bürgermeister von Hammerfest. Der Sozialdemokrat, der eine depressive Stadt ins Licht geführt hat.

          Hammerfests Bürgermeister Alf Einar Jakobsen

          Jakobsen ist ein handfester Mann. Die kleine Journalistengruppe, die Norwegen im Vorfeld der Konferenz „Arctic Frontiers“ in Tromsö zu einer Reise nach Hammerfest lud, bringt aus ihm keinen kritischen Satz zur Erschließung der Arktis hervor. Der norwegische Lebensstandard hängt nun einmal am Öl und am Gas, und für abgelegene Orte wie Hammerfest gilt das erst recht. Wobei man im Zweifel lieber vom Gas spricht, das eine Brückentechnologie für den Ausstieg aus der Kohle sein soll, als vom arktischen Öl.

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