https://www.faz.net/-gwz-8gvgq

Erdklima : Es grünt so grün

  • -Aktualisiert am

CO2 sei Dank: Im Amazonasbecken hat die Blattfläche zugenommen. Bild: Reuters

Ob Erderwärmung oder Dürren: Der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre wird für viele ökologische Verwerfungen verantwortlich gemacht. Forscher haben nun aber nachgewiesen, dass er auch das Pflanzenwachstum beflügelt.

          2 Min.

          Seit Beginn der industriellen Revolution ist die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre um mehr als 40 Prozent angestiegen. Über die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung wird viel spekuliert. Die möglichen Folgen reichen von einer globalen Erwärmung über eine Versauerung der Ozeane bis hin zum vermehrten Auftreten extremer Wetterereignisse wie Dürren oder tropische Wirbelstürme. Für Pflanzen, Algen und viele photosynthetisch aktive Bakterien ist das CO2 in der Luft jedoch die Grundlage für den Aufbau energiereicher Kohlenhydrate, also für das Überleben schlechthin. Für diese Lebewesen sollte sich ein erhöhter Anteil an Kohlendioxid in der Erdatmosphäre entsprechend positiv auswirken, etwa in üppigerem Wachstum. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Shilong Piao von der Universität Peking konnte nun bestätigen, dass die Erde in den vergangenen dreißig Jahren tatsächlich erheblich grüner geworden ist.

          Als Grundlage für ihre Untersuchungen benutzte die Gruppe, zu der auch Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie und des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena gehören, drei von verschiedenen Satelliten im Zeitraum von 1982 bis 2009 aufgenommene Datensätze. Darin wird für jede Wachstumsperiode der sogenannte Blattflächen-Index bestimmt. Diese Größe zeigt an, wie üppig eine Pflanze gedeiht, also wie viel Blattfläche sie in jedem Jahr erzeugt. Obwohl der Index in den drei Datensätzen auf jeweils unterschiedliche Art berechnet wurde, zeigte sich ein deutlicher Trend. Während des Beobachtungszeitraums hatte nämlich die Blattfläche in nahezu der Hälfte jener Gebiete auf der Erde, in denen überhaupt Pflanzen wachsen, erheblich zugenommen. Diese Flächen wurden also im statistischen Mittel grüner. Dazu gehören vor allem das Amazonasbecken, der Südosten der Vereinigten Staaten, große Teile Europas, das tropische Afrika und Südostasien. Lediglich auf vier Prozent der bewachsenen Fläche ging im gleichen Zeitraum der Blattflächen-Index zurück. Zu diesen Gebieten gehört das östliche Australien, der Norden Argentiniens sowie Alaska und der Westen Kanadas.

          Um den Ursachen des Wachstumsschubes der Landpflanzen auf die Spur zu kommen, verglichen die Forscher um Piao anschießend die Satellitenmessungen mit insgesamt zehn verschiedenen Ökosystemmodellen. In diesen Berechnungen konnten unter anderem der CO2-Gehalt der Luft, aber auch die landwirtschaftliche Stickstoffdüngung numerisch verändert werden. Wie die Wissenschaftler jetzt in der Zeitschrift „Nature Climate Change“ (doi: 10.1038/Nclimate 3004) berichten, stellte sich beim Vergleich der Daten mit den Modellen heraus, dass die Erhöhung des Anteils an Kohlendioxid in der Atmosphäre die wichtigste Rolle beim üppigeren Wachstum gespielt hat. Im Zeitraum zwischen 1982 und 2009 nahm die durchschnittliche CO2-Konzentration in der Luft um 46 ppm (Anteile pro einer Million Teilchen) zu. Nach Meinung der Forscher sind knapp drei Viertel des vermehrten Pflanzenwachstums auf diesen erhöhten Kohlendioxidanteil zurückzuführen. Weitere zehn Prozent des Wachstumsschubes beruhten auf einer verbesserten Stickstoffdüngung in landwirtschaftlich genutzten Böden. Der Rest sei auf Variationen in den Wetterverhältnissen, aber auch auf Änderung der Nutzung von Agrarflächen zurückzuführen.

          Weitere Themen

          Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel

          Indigene Völker : Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel

          Indigene haben endgültig die Bühne der Welt erklommen, als auf dem Klimagipfel ihre Rolle als Wächter des Waldes anerkannt wurde. Aber nichts ist gewonnen, so lange sie nicht die Rechte erhalten, die ihnen zustehen. Ein Gastkommentar.

          Topmeldungen

          Fangverbot in der Ostsee : Der junge Fischer und die großen Sorgen

          In der westlichen Ostsee dürfen Fischer bald fast keine Dorsche und Heringe mehr fangen. Nicht wenige sagen: Die dortigen Betriebe stehen vor dem Aus. Peter Dietze will sich seinem Schicksal nicht ergeben – er schippert Touristen und bietet Seebestattungen an.
          20 Mark im Jahr 1871

          150 Jahre Mark : Der Glanz des Goldes

          Vor 150 Jahren entstand mit der Einführung der Mark die erste deutsche Währungsunion. Ihre wechselvolle Geschichte zeigt, dass sich auch die stabilste Währung ruinieren lässt.
          Die Nürnberger Notfallsanitäterin Paloma Palm von Alten Blaskowitz  und Kollege Christian Brandmann in Corona-Schutzanzügen

          Rettungssanitäter und Corona : Wenn aus Minuten Stunden werden

          Notfallsanitäter müssen Leben retten. In der vierten Corona-Welle kann das auch heißen, mit überfüllten Kliniken um das letzte freie Bett zu feilschen. Das wird immer schwieriger. Ein Ortsbesuch in Nürnberg.