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Erdgeschichte : Die ersten Stunden nach der Apokalypse

  • -Aktualisiert am

Rekonstruktion des rund 180 Kilometer großen Einschlagkraters vor Yucatán Bild: Science Photo Library

Was geschah an dem Tag, als ein Asteroid die Dinosaurier auslöschte? Die Antwort haben Forscher nun aus alten Gesteinsschichten rekonstruiert.

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          Das Erdmittelalter endete vor 66 Millionen Jahren mit einer Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß. Damals kollidierte ein im Durchmesser etwa 60 Kilometer großer Asteroid mit der Erde. Mit einer Geschwindigkeit von 70.000 Kilometern pro Stunde schlug der Bolide in das Meer vor der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatán. Über die Folgen dieses Ereignisses herrscht seit langem Konsens unter den Forschern. So starben nicht nur die Dinosaurier aus, weltweit kam es zu einem derart großen Artensterben, dass eine neue Epoche der Erdgeschichte begann. Drei Forschergruppen haben nun unabhängig voneinander den Ablauf der katastrophalen Ereignisse minutiös rekonstruiert. Danach hat sich die Welt innerhalb nur eines Tages vollkommen verwandelt: Was friedlich in der Kreidezeit des Erdmittelalters begann, endete nach einem Impaktereignis, gewaltigen Erdbebenwellen, riesigen Tsunamis und verheerenden Waldbränden in kurzer Zeit im Paläogen der Erdneuzeit. Dabei veränderte sich nicht nur die Erdoberfläche, auch der Säuregehalt der Meere stieg offenkundig erheblich an, was ebenfalls katastrophale Auswirkungen hatte.

          Was geschieht, wenn die Erde von einem großen Asteroiden getroffen wird, können Wissenschaftler recht gut am Computer simulieren. Die Szenarien reichen von der Bildung eines Einschlagkraters, dem Schmelzen von Gestein bis zu jenen Wolken aus Staub und Gesteinssplittern, die kilometerweit in die Atmosphäre hinaufgeschleudert werden. Während diese Berechnungen ausschließlich auf physikalischen Modellen basieren, beruhen die jüngsten Rekonstruktionen der drei Forschergruppen dagegen auf geologischen Untersuchungen von Gesteinsproben.

          Gesteinsregen und riesige Tsunamiwellen

          Das erste Kapitel im Tagebuch der ersten 24 Stunden der Erdneuzeit haben Geologen um Sean Gulick von der University of Texas in Austin geschrieben. Gulick und seine Kollegen analysierten eine ungewöhnliche Gesteinsprobe aus dem Epizentrum des Asteroideneinschlags. Dieser etwa 800 Meter lange Gesteinszylinder war im Rahmen des Internationalen Ozeanbohrprogramms vor zwei Jahren erbohrt worden, und zwar aus dem unter dem Meeresspiegel liegenden Rand des Impaktkraters im Golf von Mexiko vor Yucatán. Normalerweise lagern sich Sedimente mit einer Rate von wenigen Zentimetern pro Jahrtausend auf dem Meeresgrund ab. In diesem Bohrkern fanden die Forscher aber eine knapp 130 Meter dicke Schicht, die allem Anschein nach nur innerhalb eines Tages, vielleicht sogar in nur wenigen Stunden entstanden war.

          Ein Bohrkern wird an der Stelle vor Yucatán erbohrt, wo vor 66 Millionen Jahren ein gewaltiger Asteroid einschlug.

          Wie die Forscher um Gulick in den „Proceedings“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften berichten, lässt sich aus der Abfolge der verschiedenen Lagen in dieser Gesteinsschicht der Ablauf der dramatischen Ereignisse nach dem Asteroideneinschlag detailliert rekonstruieren: Danach war die Einschlagsenergie offenbar so groß, dass das Meerwasser an der Impaktstelle verdampfte und das Kalkgestein des Meeresbodens schmolz. Das Gestein verhielt sich wie eine Flüssigkeit.

          Wie die Analysen zeigen, besteht die unterste Lage des Bohrkerns aus den Resten jener Gesteinsschmelze, die unmittelbar nach dem Einschlag an die Meeresoberfläche schwappte und die Basis des Kraterrandes formte. Darüber befindet sich eine 40 Meter dicke Schicht aus aus Resten der Schmelze, die mit unregelmäßig geformten Gesteinsbrocken mit scharfen Ecken und Kanten, den sogenannten Brekzien, durchmischt ist. Nach Ansicht von Gulick und seinen Kollegen handelt es sich hierbei um Gestein, das beim Einschlag in die Luft geschleudert wurde und innerhalb von zehn Minuten „herabregnete“.

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