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Erdbeben und Vulkanismus : Erst das Beben, dann die Eruption?

  • -Aktualisiert am

Bild: Geoforschungszentrum Potsdam

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen den aktuellen Erdstößen auf Java und der seit Wochen anhaltenden Aktivität des nahegelegenen Vulkans Merapi? In Indonesien sind Erdbeben und Vulkanismus schwer zu trennen.

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          War es ein geologischer Zufall, daß sich am vergangenen Samstag unweit der indonesischen Großstadt Yogyakarta ein zerstörerisches Erdbeben ereignete, oder besteht ein direkter Zusammenhang zwischen den Erdstößen und der seit mehreren Wochen anhaltenden Aktivität des knapp fünfzig Kilometer vom Erdbebenherd entfernten Vulkans Merapi? Erdbeben und Vulkanismus sind in Indonesien schwer voneinander zu trennen; denn beide Naturphänomene haben die gleiche Ursache, nämlich die Subduktion der indischen Erdkrustenplatte unter die eurasische Platte. Allerdings sind den Geowissenschaftlern bisher keine Fälle bekannt, in denen ein ausbrechender Vulkan ein wirklich starkes tektonisches Erdbeben ausgelöst hätte. Dagegen gibt es viele Vulkaneruptionen, die unmittelbar auf Erdbeben folgten.

          Das zweifellos berühmteste Beispiel dafür stammt von der russischen Halbinsel Kamtschatka am Pazifik. Gegen Ende Juni 1975 erschütterte ein schweres Erdbeben den Kliuchi-Vulkankomplex. Durch die von den Erschütterungen in der Erdkruste erzeugten Brüche konnte anschließend Magma aufsteigen. Das führte wenige Tage später zu einer spektakulären Spalteneruption des zum Kliuchi-Komplex gehörenden Vulkans Tolbatschik. Sie hielt insgesamt 450 Tage an. Gelegentlich entstanden dabei bis zu 2500 Meter hohe Lavafontänen.

          Sumatra-Beben wirkte auf Vulkan in Alaska

          Ein mittelschweres Erdbeben war auch der eigentliche Auslöser für den Ausbruch des Mount St. Helens im amerikanischen Bundesstaat Washington am 18.Mai 1980. In den Wochen zuvor hatte sich unter der Nordflanke des Vulkans eine große Menge Magma gesammelt. Der Überdruck der Gesteinsschmelze führte dazu, daß sich der Berghang um bis zu fünfzig Meter ausbeulte. Durch die Erschütterungen der Erde kam die gesamte Nordflanke einschließlich der Ausbeulung ins Rutschen. Dadurch wurde die Magmakammer von ihrer Auflast befreit. Sie verschaffte sich in einer gewaltigen Explosion Luft.

          Ausbruch des Mount St. Helens, 1980

          Nicht nur Erdbeben in unmittelbarer Nähe von Vulkanen, sondern auch die weit entfernten Erschütterungen haben infolge der seismischen Wellen einen Einfluß auf die Aktivität der Feuerberge. So beobachteten Vulkanologen in Alaska nach dem schweren Erdbeben von Sumatra am zweiten Weihnachtstag des Jahres 2004, daß unter dem 11000 Kilometer vom Epizentrum entfernten Mount Wrangell immer dann Schwärme kleiner Erdbeben auftraten, wenn die vom Sumatra-Beben ausgelösten Oberflächenwellen Alaska unterquerten. Offenbar veränderten diese äußerst starken Wellen die tektonische Spannung im Vulkangebäude derart, daß es zu Verschiebungen des Magmas kam.

          Fließendes Magma und heißes Grundwasser

          Bewegungen von Magma in Vulkanen sind andererseits die Ursache der „vulkano-tektonischen“ Erdbeben. Der im Magma steckende Überdruck führt dazu, daß sich das Gestein innerhalb eines Vulkangebäudes ausdehnt. Die Folge sind Brüche im Gestein, die sich als Erdbeben bemerkbar machen. Oft läßt sich der Aufstieg des Magmas an der Verlagerung der Erdbebenherde unterhalb eines Vulkans direkt verfolgen. Diese Beben sind aber vergleichsweise schwach. Ihre Magnituden überschreiten selten den Wert „vier“.

          Auch das Fließen von Magma oder heißem Grundwasser in Vulkanschloten kann zum Beben der Erde führen. Im Gegensatz zu tektonischen Erdbeben handelt es sich bei diesem sogenannten Tremor aber nicht um scharfe, ruckartige Erschütterungen, sondern eher um ein kontinuierliches Brummen. Dessen Amplituden sind zwar spürbar, aber keinesfalls stark genug, Schäden zu verursachen.

          Die Herde dieser verschiedenen Arten vulkanischer Erdbeben liegen stets in unmittelbarer Nähe eines aktiven Vulkans. Dagegen befand sich der Herd des Erdbebens, bei dem am Samstag in Jogjakarta und seinen südlichen Vororten einige tausend Menschen ums Leben kamen, etwa fünfzig Kilometer vom Krater des Vulkans Merapi entfernt. Es gilt als unwahrscheinlich, daß die Magmabewegungen im Vulkan noch in derart weiten Entfernungen zu so starken Veränderungen des tektonischen Spannungsfeldes in der Erdkruste führen können, daß ein Erdbeben der Magnitude 6,3 entsteht.

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