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Erdbeben : Rom - auf Lehm gebaut

  • Aktualisiert am

Auf unsicherem Grund: Petersdom in Rom Bild: picture-alliance/ dpa

Rom wird oft als die "Ewige Stadt" bezeichnet. Doch es stellt sich die Frage, ob dieser Beiname gerechtfertigt ist. Das haben jüngste Untersuchungen von Seismologen wieder einmal gezeigt.

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          Rom wird oft als die "Ewige Stadt" bezeichnet. Doch es stellt sich die Frage, ob dieser Beiname gerechtfertigt ist. Das haben jüngste Untersuchungen von Seismologen wieder einmal gezeigt. Vor allem in jenen Stadtteilen, die auf den lockeren Sedimenten des Tiber gebaut sind, ist selbst bei einem moderaten Erdbeben mit schwersten Schäden zu rechnen. Historische Gebäude wie das Kolosseum, die schon manches Erdbeben überstanden haben, sind besonders gefährdet, weil die seismischen Erschütterungen bis zu sechzig Sekunden anhalten können.

          Im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden Italiens wie dem Friaul, Kalabrien oder Sizilien liegt Rom nicht unmittelbar an einer Verwerfung. Die Entfernung zur Erdbebenzone in den Abruzzen beträgt mehr als hundert Kilometer. Die ebenfalls seismisch aktiven Albaner Berge im Südosten liegen zwar deutlich näher am Stadtzentrum, aber trotz ihres vulkanischen Ursprungs ist dort nicht mit Erdbeben mit Magnituden von mehr als 5 zu rechnen. Dennoch sind aus den vergangenen 2100 Jahren mindestens elf Erdbeben bekannt, die in Rom erhebliche Zerstörungen angerichtet haben. Das bisher letzte dieser folgenschweren Erschütterungen ereignete sich im Jahre 1915. Sein Epizentrum lag in der Nähe der Stadt Fucino in den Abruzzen.

          Schwache Beben, starke Schäden

          Eine Gruppe amerikanischer und italienischer Seismologen unter Leitung von Kim Bak Olsen von der San Diego State University ist in jüngerer Zeit der Frage nachgegangen, wieso selbst weniger starke Erdbeben in Rom schwere Sachschäden anrichten können. Wie die Forscher jetzt im "Bulletin" der amerikanischen Seismologischen Gesellschaft (Bd. 96, S. 133) schreiben, stützten sie ihre Untersuchungen auf die Ergebnisse von mehr als tausend flachen Bohrungen, mit denen in den vergangenen Jahrzehnten der Untergrund Roms erschlossen wurde.

          Es bestätigte sich, daß Rom keineswegs auf solidem Fels gebaut ist. Zwar befindet sich in mehr als einem Kilometer Tiefe unter der Stadt ein Kalkstein aus dem Erdmittelalter. Darüber liegt aber eine mehrere hundert Meter mächtige Schicht aus festem Lehm. Darin eingeschlossen sind Schichten, die vor mehreren hunderttausend Jahren bei Vulkanausbrüchen in den Albaner Bergen entstanden, sowie Lagen von weniger festen Flußsedimenten. Der in der letzten Eiszeit wesentlich größere Tiber hat tiefe und zum Teil breite Einschnitte in den drei Schichten hinterlassen. Diese ehemaligen Täler sind inzwischen mit nicht verfestigten Kiesen, Sanden und Lehmen, dem sogenannten Alluvium, gefüllt. Gut ein Drittel des Stadtgebiets ist auf solchen Lockersedimenten gebaut.

          Erhebliche Bodenbeschleunigung

          Aus den Ergebnissen der Bohrungen haben Olsen und seine Kollegen ein dreidimensionales geologisches Modell des römischen Untergrunds zusammengestellt. Mit einem Computerprogramm simulierten sie anschließend, wie dieser Untergrund auf seismische Wellen verschiedenen Ursprungs reagiert. Ihren Modellrechnungen zufolge kann ein Beben der Magnitude 7, dessen Herd in den Abruzzen liegt, die Lockersedimente bis zu eine Minute lang schwingen lassen. Die Bewegungen können sich dabei zu Resonanzen aufschaukeln und erhebliche Bodenbeschleunigungen verursachen. Die dabei entstehenden Kräfte können vor allem ältere Gebäude und die touristischen Schaustücke aus römischer Zeit zum Einsturz bringen.

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