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Erdbeben : Rätselhafte Erdbeben in Norddeutschland

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Unter den Seismologen ist eine Diskussion wiederbelebt worden, die schon vor dreißig Jahren geführt wurde: Können die seltenen deutlich spürbaren Erdbeben in der Norddeutschen Tiefebene durch die dortige Erdgasförderung beeinflußt oder gar von ihr ausgelöst werden?

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          Unter den Seismologen ist eine Diskussion wiederbelebt worden, die schon vor dreißig Jahren - wenngleich damals ohne Ergebnis - geführt wurde. Ist es möglich, so fragen einige Forscher, daß die seltenen deutlich spürbaren Erdbeben in der Norddeutschen Tiefebene durch die dortige Erdgasförderung beeinflußt oder gar von ihr ausgelöst werden? Auch jetzt ist keine einheitliche Antwort zu erkennen.

          Schon seit langem bekommen die Einwohner des Ruhrgebietes die Folgen des Steinkohlebergbaus unter Tage auch an der Oberfläche zu spüren. Bergsenkungen und gelegentliche kleine Erdstöße sind nämlich die unweigerliche Konsequenz des Abbaus aller in Flözen vorkommenden Rohstoffe wie Kohle, Stein- oder Kalisalz. Beim untertägigen Bergbau entstehen Hohlräume. Wenn sie nach dem Abbau zusammenfallen, sinkt das Gestein darüber nach. Immer wieder vollziehen sich diese Einbrüche ruckartig, und Gebirgsschläge, die an der Erdoberfläche wie kleine Beben verspürt werden, sind die Folge. Das schwerste dieser sogenannten Einsturzbeben in Deutschland hatte eine Magnitude von 5,7 und ereignete sich im Jahre 1978 in den Kaligruben um Völkershausen im Werratal. Auch mechanische Spannungen im umgebenden Gestein, die wiederum Beben auslösen können, werden verursacht.

          Eine eigenständigen unterirdischen Schichten

          Anders als Kohle und Salz bilden Erdöl und Erdgas keine eigenständigen unterirdischen Schichten. Die Kohlenwasserstoffe sind vielmehr in den Poren eines Speichergesteins gefangen - ähnlich wie Wasser in einem Schwamm. In der Regel bleibt bei der Förderung von Öl oder Gas die Standfestigkeit des Gesteins erhalten, es kommt aber dennoch innerhalb der „höffigen“ Schicht zu einem Ausgleich des Drucks in den Gesteinsporen. Auch das führt zu Änderungen des großräumigen mechanischen Spannungsfeldes im Gebirge, die alte Bruchflächen wieder aufreißen können. Bisher hatte man geglaubt, daß in Norddeutschland die Energie dieser Spannungen nicht ausreicht, sogenannte induzierte Erdbeben mit Magnituden von mehr als 3 auszulösen.

          In der Norddeutschen Tiefebene, einem weit von jeder Plattengrenze entfernt liegenden und als tektonisch besonders ruhig geltenden Gebiet, kommen gelegentlich trotzdem stärkere Erschütterungen vor. So bebte es beispielsweise am 2. Juni 1977 in der Nähe von Soltau mit einer Magnitude von 4. Am 20. Oktober 2004 ereignete sich unter dem Westrand der Lüneburger Heide ein Beben der Magnitude 4,5, das selbst in Hamburg, Hannover und Bremen deutlich verspürt wurde. Schließlich vibrierte die Erde im vergangenen Juli unter Syke bei Bremen mit einer Magnitude von 3,8. Diese Erdstöße sind zwar selbst im Vergleich mit Beben auf der Schwäbischen Alb oder in der Niederrheinischen Bucht moderat. Aber gerade weil es in Norddeutschland keine große Verwerfung oder Subduktionszone gibt, ist die Suche nach ihren Quellen geowissenschaftlich interessant.

          Ist die Salztektonik die Ursache?

          Mehrere Ursachen kommen in Betracht. Eine von ihnen liegt darin begründet, daß sich die tektonischen Großplatten ähnlich spröde wie Glas verhalten. Da an ihren Rändern enorme Kräfte wirken, kann ihr Inneres unter starken mechanischen Spannungen stehen. Wenn sich diese entlang alter geologischer Verwerfungslinien konzentrieren, sind „Intraplatten-Beben“ die mögliche Folge. Aber auch Ausgleichsbewegungen, die von der letzten Eiszeit herrühren, können in Norddeutschland mechanische Spannungen erzeugen. Als der Eispanzer, der damals die Gegend bedeckte, anfing zu schmelzen, begann die Erdkruste sich wieder langsam zu heben. Dieser Vorgang ist bis heute nicht abgeschlossen.

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