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Energiewende : Sturer Süden

Zeit, dass sich was dreht: Der Wind bläst zwar auch im Süden, aber das Volk findet genügend Gründe, warum die Rotoren ausgerechnet dort nicht kreisen sollen. Windkraftgegner setzen sich immer wieder durch. Bild: Getty

Energiewende? In Bayern und Baden-Württemberg jedenfalls nicht. Windkraft ist unbeliebt, Geothermie und Wasserkraft ebenfalls, und jetzt steckt auch noch die Solarbranche in der Krise. Was ist da eigentlich los?

          11 Min.

          Die Sonne meint es traditionell gut mit dem Süden. Doch in diesem Sommer ist es etwas zu viel der Zuneigung. Das spüren auch die Photovoltaikbetreiber. Werden ihre Solarzellen zu heiß, quittieren diese schnell den Dienst. Das ist aber nur eines der vielen Probleme, mit denen sich die Solarbranche herumschlägt. Ihr Geschäft lohnt sich in Deutschland nicht mehr. Beinahe monatlich geht eine Firma pleite, Zehntausende Menschen haben ihren Job schon verloren. Für die Energiewende ist das eine weitere Hiobsbotschaft.

          Man muss das so deutlich sagen: In Bayern und Baden-Württemberg ist die Energiewende bisher gescheitert - trotz eines grünen Ministerpräsidenten in Stuttgart. Die Windkraft? Will man nicht oder scheitert am Naturschutz. Geothermie und Pumpspeicherkraftwerke? Lehnt man ab. Biokraftwerke? Haben sich aufgrund der Maismonokulturen auf den Äckern bisher als wenig ökologisch herausgestellt. Und nun steckt das Einzige, was der Süden bisher zum Gelingen beitragen konnte - der Ausbau der Photovoltaik -, auch in der Krise. Der Zuwachs der installierten Leistung ist innerhalb eines Jahres von sechs auf 1,7 Gigawatt im Jahr 2014 eingebrochen. Was ist da eigentlich los?

          Wer mehr über den Niedergang der Solarbranche erfahren will, muss zu ihrem Ursprung fahren: nach Freiburg, in die selbsternannte Green City. Die deutsche Energiewende hat hier ihren Anfang genommen. Genauer, im Ökoviertel Vauban, im „Reich der grünen Spinner“, wie man die Menschen dort mal mehr, mal weniger liebevoll nennt.

          Das Drehsolarhaus war mal schick. Heute ist es beinahe ein Museum.

          Der Weg vom Hauptbahnhof in das Modellviertel führt nach Süden. Ein richtiger Freiburger radelt. Den Schlierberg hoch, an der Solarsiedlung vorbei, und schon steht man vor einem Haus, das auch eine Sternwarte sein könnte. Ein zylinderförmiges Gebäude wie aus einer fremden Welt erhebt sich aus der Siedlung, dahinter beginnt der Weinberg. Anstelle eines Teleskops ist auf dem Dach ein Sonnensegel aus Solarmodulen montiert. Es ist das Haus des Solararchitekten Rolf Disch. Er bittet hinein, reicht Wasser mit Eiswürfeln und drückt im Wohnzimmer auf einen Knopf. Im Nu dreht sich sein Haus mit purer Sonnenkraft in den Schatten. Die vier Sonnenblumen auf dem Tisch kümmert das wenig, sie lassen weiter ihre Köpfe hängen. Dafür kann man an diesem Julitag den Eiswürfeln beim Schmelzen zusehen.

          Seit 21 Jahren wohnt Disch jetzt schon in diesem Drehsolarhaus, das er Heliotrop genannt hat. Das Haus war einst eine verrückte Idee, ein Statement für erneuerbare Energien. Es produziert eigenen Strom, nutzt Regenwasser, hat Trockenkomposttoiletten. Es ist ein sogenanntes Plus-Energiehaus, weil es mehr Energie herstellt, als es verbraucht. Seit Jahren kommen die Menschen aus aller Welt, um sich das seltsame Sonnenhaus anzuschauen. Erst kam das Fachpublikum, später die Touristen. Heute ist das Heliotrop berühmt. Und beinahe schon ein Museum.

          Und jetzt? „Jetzt machen die anderen die Geschäfte in der Solarbranche“, sagt Disch und spricht dabei wie ein besorgter Vater über den Sohn, der mit 21 Jahren immer noch nicht erwachsen ist. Die anderen, das sind die Amerikaner, Japaner und Chinesen, aber auch die kaum sonnenverwöhnten Briten, die gerade erkennen, dass man mit erneuerbaren Energien gute Geschäfte machen kann, während die Deutschen lieber grün sein wollen, weil es gut für den Planeten ist.

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