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Die Kreise der Metallzeit

Von REBECCA HAHN

22. August 2021 · Eisen, Kupfer oder Aluminium werden so erfolgreich recycelt wie keine anderen Rohstoffe. Doch der technische Fortschritt macht die Rückgewinnung auch schwieriger.

Wenn Schrotthändler ihren Hof einmal richtig sauber machen wollen, kratzen sie mit dem Bagger jeden Krümel vom Boden. „Hüttenkehricht“ wird der feine Abrieb in der Metallbranche genannt, und er ist bares Geld wert: Schließlich können die Metallreste darin wieder dem Recycling zugeführt werden. Etwas lukrativer lässt sich der Hüttenkehricht verkaufen, wenn er portionsweise unter andere Schrottladungen mit höherem Reinheitsgrad gemischt wird. So kommt es, dass sich unter fast jedem Schrotthaufen auf dem Werksgelände der Aurubis AG in Lünen bei Dortmund, einem der weltweit größten Wiederverwerter für Kupfer, eine dünne Schicht Abrieb findet. „Auch diese Reste gehen nicht verloren“, sagt Andreas Nolte, der im Aurubis-Werk den Bereich „Environment, Risk and Energy“ leitet. Jeder Krümel zählt, damit möglichst viel Metall möglichst lange im Umlauf gehalten werden kann.  

Der Metallhunger der Menschheit wächst. Jedes Jahr wird der Erde mehr Erz entrissen: 2020 waren es noch 9 Milliarden Tonnen, bis 2050 könnten es bis zu 15 Milliarden jährlich werden, schätzt das Deutsche Forschungsnetzwerk Rohstoffe. Ein Grund für den steigenden Bedarf ist das Wachstum der Weltbevölkerung. Doch auch solche Vorhaben, Energieversorgung und Transport klimafreundlicher zu gestalten, wären ohne große Mengen metallischer Rohstoffe nicht zu machen. Zum Beispiel Kupfer: In einem Elektroauto ist im Schnitt dreimal so viel davon verbaut wie in einem Verbrenner; in einem einzigen Windrad stecken bis zu dreißig Tonnen Kupfer und in einer Photovoltaik-Anlage je nach Modell etwa drei bis fünf Tonnen.

Kupfer: Die Seele der modernen Energiewirtschaft
Kupfer: Die Seele der modernen Energiewirtschaft Foto Mauritius
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