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Trockenheit in Deutschland : Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Selbst die Weinbauern, die sich für gewöhnlich über sonniges Wetter freuen, haben mit der lang anhaltenden Trockenheit zu kämpfen. In einigen Beständen wurde es durch die intensive Sonneneinstrahlung zu heiß und trocken. Vor allem jüngere Anlagen, die noch nicht tief wurzeln, erhielten nicht genügend Wasser. „Manche Weinbauern haben dieses Jahr zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder bewässert“, sagt Schmitt. Auch in Norddeutschland wurden Felder und Äcker beregnet. „In Niedersachsen wurden im Heidegebiet bei Kartoffeln bereits drei bis fünf Beregnungen durchgeführt, um den Niederschlagsmangel auszugleichen“, sagt Schube. Das gilt allerdings nur für die Landwirte, die über entsprechende Technik verfügen.

Dürrekarten für Deutschland

Unterdessen kommen auch Gartenbesitzer mit dem Gießkannenschleppen kaum noch hinterher. „Gemüse und Salate müssen natürlich regelmäßig bewässert werden“, sagt Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Das macht man am besten täglich. Anders sieht es bei der Rasenpflege aus. „Da gibt es zwei weitverbreitete Unsitten“, sagt Ollig. „Viele Gartenbesitzer gießen jeden Tag ein bisschen und dann oft abends. Beides ist falsch.“ Lieber soll man frühmorgens um 6 Uhr den Rasen wässern, damit er wieder abtrocknen kann. „Sonst geht der Rasen nass in die Nacht, was das Risiko von Pilzinfektionen erhöht“, sagt Ollig. Außerdem empfiehlt er, lieber seltener, aber dann mehr zu gießen. Der Boden sollte gut zwei Spaten tief durchfeuchtet werden, sonst züchtet man den Rasen so, dass er flach wurzelt und noch eher austrocknet.

„Wer eine Strategie für die Zukunft sucht, könnte über Tröpfchenbewässerung nachdenken“, sagt Ollig. Dabei werden Schläuche ober- oder unterirdisch verlegt, aus denen das Wasser Tropfen für Tropfen abgegeben wird. So wird weniger Wasser durch den Wind verdunstet. Maßnahmen wie diese dürften zumindest während Trockenperioden auch die Wasserversorger freuen. Manche Kommunen empfahlen ihren Bürgern in den vergangenen Wochen bereits, schonend mit Wasser umzugehen. Grund dafür war allerdings meistens keine Knappheit, sondern eine Überlastung der Pumpen. Der Wasserdruck in den Leitungen sackte durch die überdurchschnittlich hohe Entnahme so stark ab, dass es aus den Hähnen nur noch tröpfelte.

Grundwasserspeicher noch gut gefüllt

„Einzelne Versorger weisen inzwischen durchaus auf eine Knappheit hin. Das gilt vor allem dort, wo Landwirte oder Getränkehersteller viel Wasser verbrauchen“, sagt Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin für Trink- und Badebeckenwasserhygiene beim Umweltbundesamt. Das Problem liege aber vor allem in der Infrastruktur. Viele Hochbehälter im Verteilernetz wurden wegen des sinkenden Verbrauchs der vergangenen Jahre zurückgebaut – nun geraten sie während der Dürre an ihre Grenzen.

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An Trinkwasser wird es so schnell aber nicht mangeln. Dank des übernassen Jahres 2017 sind die Grundwasserspeicher im Boden, aus denen knapp drei Viertel des Trinkwassers entnommen werden, noch gut gefüllt. „Es ist nicht so, dass große Landstriche kein Wasser mehr hätten“, sagt Chorus. „Die Infrastruktur muss sich anpassen. Das sind aber alles keine unlösbaren Probleme.“ Die Versorger hätten das Thema bereits im Blick.

Was jetzt fehlt, ist möglichst lang anhaltender Regen. Die aktuellen Vorhersagen lassen von Montag an zumindest auf wechselhafteres Wetter hoffen. Weil Schauer und Gewitter aber häufig nur kleinräumig auftreten, könne die Niederschlagsverteilung regional sehr unterschiedlich ausfallen, sagt Corina Schube. Auch durch die ersten Schauer diese Woche seien nur die oberen Bodenschichten angefeuchtet worden. „Als Faustregel kann man annehmen, dass zehn Millimeter Niederschlag den Boden etwa einen Zentimeter tief durchfeuchten“, sagt Schube. Zwei, drei Schauer werden in den meisten Regionen also nicht genügen, um das Defizit auszugleichen.

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