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Ulf von Rauchhaupt (UvR)

Trump und die Wissenschaft : Klimaschutz Schtonk!

Werden unter Trump bald wieder mehr Kohlekraftwerke in den Vereinigten Staaten ans Netz gehen? Bild: AP

Amerikanische Forscher haben von ihrem neuen Präsidenten wenig zu erwarten. Trumps erste Personalentscheidungen in Sachen Umweltschutz lassen einiges befürchten.

          3 Min.

          Politikwissenschaftlich gesehen, ist der Fall Trump hochspannend. Er wird konkret zeigen, inwieweit es dem Regierungschef einer modernen Demokratie tatsächlich möglich ist, hinsichtlich langfristiger und komplexer Probleme von weltweiter Bedeutung den von seinem Vorgänger sowie den Führungen vieler anderer Nationen eingeschlagenen Kurs radikal zu ändern. Denn zu dem wenigen Konsistenten, was Donald Trump im Wahlkampf überhaupt bekundet hat, gehörte seine Absicht, das Pariser Klimaabkommen abzuschaffen.

          Rechtlich kann Trump das gar nicht. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2020 ist er nicht einmal befugt, die Beteiligung seines Landes an dem Abkommen zurückzuziehen. Aber er kann dessen Umsetzung torpedieren. Etwa dadurch, dass der von den Republikanern dominierte Kongress die 800 Millionen Dollar nicht freigibt, mit denen Barack Obama Ländern wie Indien bei ihren Klimaschutzbemühungen helfen wollte. Und er kann natürlich in den Vereinigten Staaten wenigstens auf Bundesebene alle Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen unterlassen. Genau das zeichnet sich bereits ab: Als zukünftiger Leiter der Environmental Protection Agency, der Bundesbehörde, welche die von Obama in die Wege geleiteten Maßnahmen zu überwachen hätte, ist Myron Ebell im Gespräch, ein bekennender „Klimaskeptiker“. Und neuer Energieminister könnte der Ölmilliardär Harold Hamm werden. Unter Obama hatte diesen Job lange ein Physik-Nobelpreisträger inne.

          Keine Wissenschaftsexperten nirgends

          Die Personalien Ebell und Hamm sind ein Anzeichen dafür, dass Trump hier einen Paradigmenbruch anstrebt, den man – um sich irgendwelcher Parallelen aus dem 20. Jahrhundert zu enthalten – fast versucht ist, mit der Religionspolitik Heinrichs VIII. von England nach 1533 zu vergleichen. Allerdings weiß, abgesehen vom Klima- und Umweltschutz, noch niemand, was Trump im weiteren Bereich des Sektors Wissenschaft vor hat. „Ich bin nicht sicher, ob er es selbst weiß“, erklärte Michael Lubell, Professor am New Yorker City College und Direktor am Institute of Physics (IOP) nach der Wahl dem IOP-Organ „Physics World“. Denn als Lubell während des Wahlkampfs versuchte, in Trumps Lager jemanden ausfindig zu machen, der sich dort um das Thema Wissenschaft kümmert, war er ähnlich erfolglos wie die deutsche Bundesregierung, als sie nach Trumps Außenpolitikexperten fahndete. „Der einzige Name, der zutage kam, war der von jemandem mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund an einem kleinen College in Iowa“, erinnert sich Lubell, „und der hat uns nie geantwortet.“

          Klimawandel, welcher Klimawandel? Myron Ebell hält wärmere Winter nicht für ein Problem.
          Klimawandel, welcher Klimawandel? Myron Ebell hält wärmere Winter nicht für ein Problem. : Bild: cei.org

          So kann man sich nur an Trumps Aussagen vor seiner Kandidatur orientieren. Neben der Klimafrage hat er sich sonst nur noch zu einem einzigen anderen wissenschaftsnahen Thema wiederholt geäußert. Wie der bloggende Chirurg David Gorski dokumentiert hat, tut sich Trump spätestens seit 2007 als Impfkritiker hervor und verbreitet das Märchen, Impfungen bei Kindern würden Autismus auslösen. Im August traf sich Trump sogar mit dem Urheber dieses Behauptung, dem Briten Andrew Wakefield, der 2010 seine Approbation in England verlor, weil er bei der fraglichen, längst zurückgezogenen Studie betrogen hatte. Zwar sind Impfprogramme in Amerika Sache der einzelnen Bundesstaaten, die Richtlinien aber werden von einer dem Gesundheitsministerium unterstellten Bundesbehörde entwickelt. Und als Trumps Gesundheitsminister ist nach einem Bericht der Zeitung „Politico„ der frühere Neurochirurg Ben Carson im Gespräch, dem Gorski einen Kniefall vor den Impfskeptikern zutraut.

          Harold Hamm: Er lebt den amerikanischen Traum
          Harold Hamm: Er lebt den amerikanischen Traum : Bild: Reuters

          Greatness vs. Großforschung

          Was alle anderen Disziplinen der Wissenschaft nun zu erwarten haben, ist derzeit allenfalls indirekt zu erschließen. Angesichts des offensichtlichen Desinteresses Trumps an Forschung dürften die erwarteten Erhöhungen im Militärbudget einerseits sowie die versprochenen Steuersenkungen andererseits die Spielräume der öffentlich finanzierten Grundlagenforschung empfindlich einengen. Möglicherweise wird man sich im Bereich gut sichtbarer Großforschung, etwa beim Weltraumprogramm, weniger Sorgen machen müssen, falls man Trump klar machen kann, wie sehr Budgetkürzungen die Führungsrolle gefährden würden, welche die Vereinigten Staaten auf vielen dieser Gebiete noch haben. Doch wenn er andererseits durch seine angekündigte Handelspolitik Vorzeigeunternehmen wie Apple zu ruinieren bereit ist, dann hat er von der „Greatness“, zu der er das Land angeblich zurückführen möchte, vielleicht sowieso ganz andere Vorstellungen.

          Alles in allem sind die Aussichten beim Thema Wissenschaft derart düster, dass die Hoffnung besteht, die Dysfunktionalität dessen, was Trump anzurichten droht, könnte schnell genug offenkundig und der schlimmste Schaden für die Umwelt und das geistige Klima im Land dadurch vermieden werden. Tröstlich sind hier Erinnerungen an die Anfangszeit der Reagan-Administration. Damals waren ebenfalls Außenseiter als Behördenchefs installiert worden, welche aber rasch an der Realität und der Professionalität ihrer Untergebenen scheiterten.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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