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: Die Vereinigten Staaten versinken

  • -Aktualisiert am

Tiefgang in den Vereinigten Staaten: Der Grand Canyon Bild: AP

Dank moderner GPS-Satelliten können Geologen die Hebung und Senkung ganzer Erdteile verfolgen, was bislang schwierig war. Teile Kanadas bäumen sich regelrecht auf, aber mit den Vereinigten Staaten geht es abwärts.

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          Die Erdkruste ist keinesfalls so starr und stabil, wie man gemeinhin annimmt. Erdbeben und Vulkanausbrüche zeugen von stetiger Bewegung innerhalb der äußersten Schale der Erde. Manche Abschnitte der Erdkruste reagieren auf äußeren Druck aber auch durch außerordentlich langsame Ausgleichsbewegungen. So heben sich beispielsweise ehemals stark vergletscherte Gebiete heute, mehr als 12.000 Jahre nach dem Ende der letzten Eiszeit, immer noch, weil die Erdkruste von dem Gewicht des Eispanzers befreit ist. Verschiedene Forschergruppen haben nun ein detailliertes Bild dieser Hebungen in Nordamerika gezeichnet.

          Daß es zu solchen Ausgleichsbewegungen kommt, ist unter den Geologen schon seit langem bekannt. Beispielsweise läßt sich an den Steilwänden der Fjorde Norwegens ablesen, daß der Wasserstand im Laufe der vergangenen Jahrtausende um einige Dutzend Meter gefallen ist. Das liegt nicht daran, daß heute weniger Wasser im Nordatlantik vorhanden wäre als früher. Vielmehr hebt sich die Erdkruste in ganz Skandinavien, nachdem sie während der Eiszeit unter dem Gewicht der auf ihr lastenden Eismassen in den Erdmantel gedrückt wurde. Es dauert jeweils mehrere zehntausend Jahre, bis das zähplastische Gestein in Tiefen von mehr als fünfzig Kilometern auf den Lastwechsel reagiert.

          Erst GPS-Satelliten erlauben genauere Messungen

          Mit den Verfahren der klassischen Landvermessung ist es nicht einfach, derartige großräumige Hebungen zu erfassen, weil sich alle Bezugspunkte in einer großen Region mehr oder weniger gleichmäßig nach oben bewegen. Werden diese trigonometrischen Punkte jedoch im Laufe einiger Jahren mehrfach mit Hilfe der Signale von GPS-Satelliten (Global Positioning System) vermessen, lassen sich auch kleinste Höhenänderungen erfassen.

          Eine Forschergruppe um Seth Stein von der Northwestern University in Illinois hat nun solche GPS-Messungen von mehr als zweihundert Punkten in den Vereinigten Staaten und Kanada ausgewertet. Wie Stein kürzlich auf einer Tagung in Montreal berichtete, stellte sich dabei heraus, daß sich der Osten Kanadas wie erwartet hebt. Die Gegend um die Hudson Bay bäumt sich mit etwa zwölf Millimetern pro Jahr am schnellsten auf. Überraschend war jedoch, daß sich die Erdkruste südlich der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten leicht senkt, obwohl auch dort ehemals weite Teile vergletschert waren. Eine Erklärung für diese Senkung gibt es bisher nicht.

          In 300 Jahren um 50 Meter angehoben

          Verblüffend schnell sind die Hebungen im sogenannten Pfannenstiel von Alaska, also dem nach Kanada hineinragenden südlichen Ausläufer dieses Bundesstaates. Wie eine Forschergruppe um Roman Motyka von der Universität von Alaska in Fairbanks bei der GPS-Vermessung von achtzig trigonometrischen Punkten herausfand, hebt sich dieses Gebiet bis um dreißig Millimeter pro Jahr. Allerdings reagiert die Erdkruste dort nicht nur auf das Schmelzen des Eises nach der letzten Eiszeit. Vielmehr scheint ein erheblicher Anteil der Hebung darauf zurückzuführen sein, daß sich die Gletscher in der Glacier Bay in den vergangenen zwei Jahrhunderten um mehrere Dutzend Kilometer zurückgezogen haben. Insgesamt hat sich das Gebiet zwischen den Städten Haines und Juneau in den letzten dreihundert Jahren um mehr als fünfzig Meter gehoben.

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