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Polarstern : Die Expedition des Jahrhunderts

Polarstern auf ihrer Fahrt in Richtung Nordpol. Im Sommer schmilzt durch die Wärme das Eis und erodiert. Bild: dpa

Fixiert an einer Eisscholle, driftete das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ am Nordpol vorbei. Der Fotograf Michael Gutsche war auf einer 700 Kilometer langen Strecke an Bord.

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          Es sind unvergessliche Momente zwischen Polartag und Polarnacht: Von Februar bis Mai dieses Jahres war der Fuldaer Fotograf Michael Gutsche an Bord des deutschen Forschungseisbrechers „Polarstern“ oder nicht weit davon um das Schiff herum, das seit Oktober 2019 an eine Eisscholle fixiert durch das Nordpolarmeer driftete.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Gutsche dokumentierte für das Alfred-Wegener-Institut (AWI) auf einer Strecke von knapp 700 Kilometern die bisher größte und wissenschaftlich spektakulärste Arktis-Expedition aller Zeiten. Im Zickzackkurs und ohne eigenen Antrieb ging es mit der Nordpolardrift voran. Erstaunliche zwölf Kilometer am Tag und bei Temperaturen von anfangs minus 45 Grad bewegten sich die Polarforscher von der sibirischen Seite, wo Anfang Oktober 2019 die Drift begann, in Richtung Framstraße.

          Um die Qualität und die Temperatur der Luft im arktische Eis zu messen verwendeten  die Forscher der Polarstern den Ballon „Miss Piggy“. Bilderstrecke
          Mosaic-Expedition : Forschungsarbeiten im Eis

          Am Ende der fast einjährigen Drift kamen 3400 Kilometer zusammen. Neben dem Schiff bauten die Polarforscher um den AWI-Physiker Markus Rex im Umkreis von fünfzig Kilometern ein Netzwerk an Messstationen auf, 600 Wissenschaftler aus 20 Nationen insgesamt waren während der Fahrt an der „Mosaic-Expedition“ beteiligt. Tageweise blieben die Messstationen neben dem Schiff wegen Eisbären-Besuchs verwaist.

          Maritimes Rendezvous vor Spitzbergen

          Richtig dramatisch allerdings wurde es im Frühjahr: Als das norwegische Archipel Spitzbergen, Hochburg der Arktis-Forschung, wegen der Covid-19-Pandemie abgeriegelt wurde, waren keine Versorgungsflüge zur Polarstern mehr möglich. So orderte man von der deutschen Leitstelle aus kurzfristig die beiden anderen großen deutschen Forschungsschiffe „Sonne“ und „Maria S. Merian“ aus Bremerhaven Richtung Norden, um Proviant, Treibstoff und Personal zu liefern. Die Mannschaft der Polarstern unterbrach Mitte Mai ihre Drift für das maritime Rendezvous mit den beiden Forschungsschiffen vor Spitzbergen.

          Währenddessen blieben die autonomen Messstationen auf der Eisscholle zurück, wohin die Polarstern mit ihrer neuen Besatzung und frisch versorgt am 20. Juni zurückkehrte. Bis Ende Juli konnten so noch viele der für die Polar- und Klimaforschung wichtigen Daten auf dem „Mosaic“-Eis gesammelt werden. Danach brach die Scholle endgültig auseinander – nicht zuletzt auch, weil die Arktis in der Region wie so oft in den vergangenen Jahren eine besonders extreme Schmelzsaison erlebte.

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